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Dauer weit mehr zu fürchten habe als den Deutschlands 4 ; man spricht— zur Zeit übertreibend — bereits von einer „Amerikanisierung“ desbritischen Marktes. Jedenfalls sind die Vereinigten Staaten Grossbri-tanniens stärkster und gefährlichster Mitbewerber. Aber dem amerika-nischen „Bruder“ gegenüber ist England durch Sprach- und Kultur-gemeinschaft und, was mehr sagt, durch politische Ohnmacht gebunden.Nicht allein Englands kanadisches Herrschaftsgebiet steht auf dem Wohl-wollen der Vereinigten Staaten; auch die Herrschaft über den stillen Ozeanist, nachdem 80 °/o der britischen Seemacht in der Nordsee versammeltwurden, an Amerika und Japan übergegangen, deren Zwiespalt des Briten Glück ist 5 . England umschmeichelt die „Tochternation“ jenseits desAtlantic 6 .
Deutschland steht — alles in allem genommen — hinter Gross-britannien noch erheblich zurück, nähert sich ihm aber zusehends aufGrund grösseren Bevölkerungszuwachses und breiterer landwirtschaftlicherGrundlage; einer britischen Landbevölkerung von ca. 5 steht eine deutschevon etwa 18 Millionen gegenüber. (Vergl. auch Tabelle 15, 16, 17). Um soverständlicher ist es, wenn die britische Verstimmung an dem Punkt des„geringeren Widerstandes einsetzt und gegen den schwächeren Mitbewerbersich wendet — den Vetter Landratte, dem es einfiel, auch zur See zufahren. Dem deutschen Michel hatte man mitleidig die Wolkenregion derGedanken überlassen, und gerade ihm wurde die Wissenschaft die Führerinzur Praxis.
II.
Werfen wir nunmehr einen Blick auf Deutschland. Gerechterweisemüssen wir zugestehen, dass die Verstimmung auf britischer Seite tieferbegründet ist als auf der unsern. Gedenken wir unserer politischen undwirtschaftlichen Ohnmacht um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts undunseres fabelhaften Aufstiegs, den England jedenfalls nicht gehindert, ja,ohne es zu wollen, sogar gefördert hat.