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III.
Was die Zukunft bringt, wer kann es wissen? Traumwandelnd greiftunser Volk heute nach einer Rolle, die möglicherweise zur Heldenrolleauswächst. Fallstricke mancherlei Art bedrohen den Schauspieler, denohne seinen Willen die Weltbühne gefangen nahm.
Von den uns bedrohenden Gefahren ist eine aber dringlicher als dieandern: In elfter Stunde könnte England den Versuch wagen, den unbe-quemen Emporkömmling, den es wirtschaftlich nicht mehr niederzuzwingenvermag, mit Gewalt zu Boden zu schlagen. Vergessen wir nicht: In dieserRichtung liegen die glorreichen Überlieferungen der britischen Flotte.Um 1650 besass Holland den Welthandel, die Kolonien und die Seemacht.Die niederländische Handelsflotte umfasste an Tonnengehalt die Hälftealler europäischen Schiffahrt. Demgegenüber baute das damals nochüberwiegend binnenländische England die ersten eigentlichen Kriegs-schiffe — Schiffe grösseren Tonnengehalts und stärkerer artilleristischerBestückung als die im Bedarfsfall zu Kriegsschiffen umgewandelten Ost-indienfahrer der Holländer. Vergeblich förderte de Ruyter von den General-staaten Kriegsschiffe des britischen Typus. Die Amsterdamer Kaufleutesparten, wo die Stuarts und Cromwell kein Opfer scheuten. An diesereinfachen Tatsache zerbrach die Handels- und Kolonialherrschaft derNiederlande. Ähnliches wiederholte sich in grösseren Verhältnissen zwischenEngland und Frankreich — Frankreich, das unter Colbert an Bevölkerung,Reichtum und Kolonien England weit überlegen war. Ist Grossbritanniens Handels- und Kolonialsuprematie von heute, ist der britische und damiterstgeborene moderne Kapitalismus überhaupt denkbar ohne Trafalgar?
An diese Erinnerungen wird wieder angeknüpft. Der alte, grund-sätzlich friedliche Freihandel trägt greisenhafte Züge. Ein neu aufsteigenderImperialismus ist allenthalben geneigt, politische Machtmittel in die Wag-schale der Wirtschaftskämpfe zu werfen, und dieser Imperialismus kanndurch eine Parlamentswahl jeden Tag wieder an das Ruder gebracht