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England und Deutschland, eine wirtschaftspolitische Studie : Festschrift zur Feier des Geburtstages... des Großherzogs Friedrich... / v. Schulze-Gaevernitz
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gesehen hat. Wäre Deutschland morgen vernichtet, so würde übermorgenjeder Engländer reicher sein.Hamburg, Bremen , der Kaiser-Wilhelm-kanal und die baltischen Häfen würden unter unsern Kanonen liegen,bis die Kriegsentschädigung gezahlt wäre. Wäre unser Werk getan, sokönnten wir, das Wort Bismarcks verändernd, zu Frankreich und Russ-land sagen: Sucht euch Kompensation in Deutschland 21 !Hamburg isteiner der grössten Hafenplätze der Welt; in welch unheimliche Lagewürde es geraten, wenn tatsächlich nicht ein einziges Schiff ein- oderausfahren könnte! Blockaden sind ohne Zweifel schwer durchführbareUnternehmungen, aber Hamburg liegt für uns so günstig, dass es sehrleicht vom Weltverkehr abzusperren ist. Man gebe sich keinen Täu-schungen hin: die Blockade aller deutschen Häfen an der Nord- und Ostsee bietet uns nicht die geringsten Schwierigkeiten.Die deutsche Flagge istüberall. Aber bei einer Kriegserklärung müsste sich uns die gesamteHandelsflotte auf Gnade und Ungnade ergeben. Ueberall auf den Welt-meeren würden unsere Kreuzer die deutschen Kauffahrer abfangenund als Prise wegführen.Inzwischen würde von den neutralenMarktplätzen der deutsche Wettbewerb, über den von unsern Kaufleutenso oft geklagt wird, völlig verschwinden. Wir würden nicht mehr hören,dass Deutschland auf chinesischem und japanischem Markt vordringe.Es würde keiner Macht einfallen zu verhindern, dass Deutschland einpaar Hundert Millionen Strafe zahlen müsste, dass es alle seine Kolonienverlöre, sein politisches Ansehen und seine Handelsverbindungen ein-büsste 22 . In der National Review hat der frühere Botschafter Englands in Wien auf Oesterreichs Bundesgenossenschaft hingewiesen: Der Zu-sammenbruch des seehandelnden Norddeutschland sei das einzige Mittel,um Habsburgs alte Vorherrschaft in Deutschland wieder herzustellen. Inderselben Zeitschrift werden Opfer an Russland in Asien empfohlen, umDeutschland zu isolieren. Neuerdings bemüht sich der als Mensch wie alsSchriftsteller gleich ausgezeichnete Mr. Garvin im Observer, die öffentlicheMeinung seines Landes gegen Deutschland zu erziehen.