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England und Deutschland, eine wirtschaftspolitische Studie : Festschrift zur Feier des Geburtstages... des Großherzogs Friedrich... / v. Schulze-Gaevernitz
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England wird früher oder später sich damit abfinden müssen,dass seine Seeherrschaft des neunzehnten Jahrhunderts einem maritimenGleichgewicht von vier bis fünf Mächten im zwanzigsten JahrhundertPlatz machen muss. Je eher es sich zu dieser Einsicht durchringt, umso besser für den Weltfrieden.

Die deutsche Flotte erscheint in diesem Zusammenhang als dieeinzig gesunde Grundlage einer ehrlichen Verständigung mit England .Die deutsch-englische Frage ist dann beseitigt, wenn England im Kriegegegen uns einen zu grossen Einsatz wagen müsste. Jedes Panzerschiff, dasdie deutsche Flagge über die Wellen trägt, ist eine neue Gewähr dafür,dass das englische Volk Deutschland als eine gleichberechtigte Machtanerkennen und auf dem Boden friedlichen Wettbewerbs sich zurück-halten wird. Dem Frieden und der Freundschaft dient in dieser armenWelt immer noch am besten die Unmöglichkeit, mit Gewalt mehr zu er-reichen, als durch vertragsmässiges Zugeständnis. Die Achtung voreiner unangreifbaren Macht führte England zur Anerkennung der welt-wirtschaftlichen und weltpolitischen Bedürfnisse der Vereinigten Staaten;nur eine ähnliche Achtung kann unseren britischen Vetter veranlassen,sich auch mit Deutschlands Aufstieg endgültig zu versöhnen.

Wenn neuerdings deutschfreundliche Stimmen jenseits des Kanalswieder häufiger zu Worte kommen, so beruht dies gewiss nicht zuletztauf der Anerkennung, welche unsere bescheidenen Flottenanfängeseitens englischer Fachmänner finden. Ich verweise z. B. auf dieAusführungen des bekannten Sachverständigen Archibald S. Hurt inNinetienth Century (Juli 1902):Wie Deutschland sich zum grossen Teildurch den Handel mit England aufbaute, so ist die deutsche Flotte einegetreue, wenn auch keine knechtische Nachahmung der englischen. DerGeist in beiden Flotten ist derselbe. Diensterfüllung des Dienstes wegen, ohneAussicht auf Belohnung, ist die Losung für den englischen Marineoffizierund ebenso für den deutschen.In allen deutschen Dienstzweigen wird