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6. Sept. 1917.
„Der Fall van Riga läßt uns wieder erkennen, wie unendlichweit unsere militärischen Leistungen unseren poli-tischen Handlungen überlegen sind. Mit der Mexiko -Depesche hatten wir meines Trachtens den Gipfel erklommen, aberich muß sagen, daß der Abstieg ein recht langsamer ist. Die kürzlich«Mitteilung in den Iei ungen, daß der Bundesrat sich mit der Ltaats-und Verwaltungsresorm für das Reichsland befassen soll, läßt michwieder das Herannahen eines großen politischen Versagens empfinden.Man glaubt, wie es scheint, bei uns, indem man Elsaß-Lothringen alsselbständigen Bundesstaat etabliert, eventuell mit einem süddeutschenPrinzen als Großherzog oder dergleichen, ein Friedenshindernis auSdem Wege zu räumen. Meines Erachtens wäre es ein großer taktischerFehler, wenn man die elsaß -lothringische Frage in solcher Form jetztvor dem Kriegsende zu lösen versuchte. Wir müssen uns doch klardarüber sein, daß jeder der gegenwärtigen Volksversührer für seineGalerie zu spielen hat. und daß also bei einem Friedensschluß, der, wieich voraussehe, sich aufbauen wird auf Kompromissen, auch die fran-zösischen Machthaber etwas nach Hause bringen müssen, was demManne in der Ltraße mindestens das Gefühl eines erlangten Achtungs-erfolges einimpft. Natürlich wäre es für uns leichter und angenehmer,jetzt diese Frage spontan und aus der Initative der Reichsregierungheraus zu lö en; aber wir begeben uns damit wieder einer Kompen-sationsmöglichkeit, die vielleicht geeignet wäre, Frankreich einen erträg-lichen Abgang von der Kriegsbühne zu schaffen.
Wir haben ein Talent, durch voreilige Handlungen, welche denFrieden vorbereiten und erleichtern sollen, ihn immer weiter hinaus-zuschieben. Denken Sie an Polen! Auch daß wir auf Belgien jetztHypotheken eintragen, wie der Rat von Flandern und die Verwaltungs-teilung sie mit sich bringen, vermindert den Wert und die Wucht diesesgroßen Faustpfandes.