Print 
1 (1838)
Place and Date of Creation
Page
74
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

74

Lieder.

Der Schlaf.Ich trinke bis um Mitternacht,Wenn »eben mir der Eeitzhals wacht,Und mit bekümmertem VerlangenForscht, ob dem Schatze nichts entgangen;Da trink ich noch, und freue mich,Und trinkend Bacchus lob ich dich.Da flicht der Durst! da flicht der Kummer!Doch wärst du nicht, du süßer Schlummer,Wann sollt ich wieder durstig werden?Und würd ich nicht mchr durstig sehn,So tränk ich ja auch nicht mchr Wem.O Schlaf, welch Gut bist du der Erden!

Der philosophische Trinker.Mein Freund, der Narr vom philosophschcn Ordcn,Hat sich bekehrt, und ist ein Trinker worden.Er zecht mit mir und meinen Brüdern,Und fühlet schon in unsern LiedernMehr Weisheit, Witz und Kraft,Als Jacob Böhm und Newton schaft.Doch bringt er seine spitzgen Fragen,Die minder als sie sagen, sagen,Noch dann und wann hcrvor,Und plagt mit Schlüssen »nscr Ohr.Jüngst fragt er mich am vollen Tische,Warum wohl in der Welt der Fische,In Flüssen und im Meer,Nicht Wein statt Wassers wär?Ohn Ursach, sprach er, kann nichts seyn.Die Antwort fiel mir schwer;Ich dachte hin und her,Doch endlich fiel mirs ein.Die Ursach ist lcicht zu erdenken,"Sprach ich mit aufgestemmten Arm.Und welche? schrie der ganze Schwärm.Damit, wenn Esel davon tränten,Die Esel, nur verdammt zu Bürden,Nicht klügcr als die Mcnschcn würden."Die Antwort, schrie man, läßt sich horcn.Drum trinket eins der Wcltwcisbcit zu Ehre»!