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1 (1838)
Entstehung
Seite
108
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Fabeln

Herr Petrus, rief er, aufgemacht!"Wer da?"Sin wackrer Christ."Was für ein wackrer Christ?"Der manche Nacht,

Seil dem die Schwindsucht ihn aufs Krankenbette brachte,In Furcht, Gebet und Zittern wachte.

Macht bald!"--Das Thor wird anfgcthan.

Ha! ha! Rlorindens Mann!

Mein Freund, spricht Petrus , nur herein;

5?och wird bey eurer Frau ein Plätzchen ledig seyn."

Was? meine Frau im Himmel? Wie?

Klorinden habt ihr eingenommen?

Lebt wohl! habt Dank für eure Müh'!

Ich will schon sonst wo unterkommen."

IX.

Die Wäre. °)

Den Bären glückt' es, nun schon seit geraumer Zeit,

Mit Brummen, plumpem Ernst und stolzer Frömmigkeit,

Das Sittcnrichteramt bey allen schwachem Thieren

Aus angemaßter Macht, gleich Wütrichen, zu führen.

Ein jedes furchte sich, und keines war so kühn,

Sich mn die saure Pflicht nebst ihnen zu bemühn;

Bis endlich noch im Fuchs der Patriot erwachte,

Und hier und da ein Fuchs auf Sittcnsprüche dachte.

Nun sah man beide stets auf gleiche Zwecke sehn;

Und beide sah man doch vcrschiedne Wege gehn.

Die Bare wollen nur durch Strenge heilig machen;

Die Füchse strafen auch, doch strafen sie mit Lachen.

Dort brauchet man nur Fluch, hier brauchet man nur Scherz;

Dort bessert man den Schein, hier bessert man das Herz;

Dort sieht man Düsternheit, hier sieht man Licht und Lebe»;

Dort nach der Heuchelet), hier nach der Tugend sircben.

Du, der du weiter denkst, fragst du mich nicht geschwind:

Ob beide Theile wohl auch gute Freunde sind?

°) Zuerst in den Ermunterungen, 1747, S. 479.