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Fabeln
XII.
Der Eremit. °)
Im Walde nah bey einer Stadt,Die man mir nicht gcnennct hat,Ließ einst ein seltenes Gefieder,Ein junger Eremit sich nieder.
„In einer Stadt, denkt Applikant,'„Die man ihm nicht genannt?„Was muß er wohl für eine meynen?„Bey nahe sollte mir es scheinen,„Daß die, — nein die — gemeynct wär."Kurz Applikant denkt hin und her,Und schließt, noch eh er mich gelesen,es sey gewiß Berlin gewesen.
„Berlin ? Ja, ja, das sieht man bald;„Denn bey Berlin ist ja ein Wald."
Der Schluß ist stark, bey meiner Ehre:Ich dachte nicht, daß es so deutlich wäre.Der Wald paßt herrlich auf Berlin ,Ohn' ihn beym Haar' herbey zu ziehn.Und ob das Uebrige wird passen,Will ich dem Leser überlassen.Auf Griechisch weiß ich, wie sie hieß;Doch wer verstehlS? Keravolis.
Hier, nahe bey KerapoliS,
Wars, wo ein junger Eremite,
In einer kleinen leeren Hütte,
Im dicksten Wald sich niederließ.
Was je ein Eremit gethan,
Fieng er mit größtem Eyfcr an.
Er betete, er sang, er schrie,
Des Tags, des Nachts, und spät und früh.
°) Der Crcnnlc. Eine Erzehlung. Kcrapolis 1749, 15 Seiten in Quart.