Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
116
Einzelbild herunterladen
 

Fabeln

So ist man gar znr That gekommen?"

Mein lieber Simplex, fragt sich daS?

Weßwegcn hätt' er denn die Predigt nntcrnommen?

Die süße Lehre süßer Triebe?

Die Liebe heischet Gegenliebe,

Und wer ihr Priester ist, verdienet keinen Haß.

O Andacht, mußt dn doch so manche Sünde decken!

Zwar die Moral ist hier zu scharf,

Weil mancher Mensch sich nicht bespiegeln darf,

Aus Furcht, er möchte vor sich selbst erschrecken.

Drum will ich nur mit meinen Lehren

Ean; still nach Hause wieder kehren.

Kömmt mir einmal der Einfall ein,

Und ei» Verleger will für mich so gnädig seyn,

Mich in groß Quart in Druck zu nehmen,

So könnt' ich mich vielleicht bequemen,

Mit hundert englischen Moralen,

Die ich im Laden sah, zu pralen,

Excmpclschätze, Sittenrichter,

Die alten und die neuen Dichter

Mit witz'gcn Fingern nachzuschlagen,

Und was die sagen, nnd nicht sagen,

In einer Note abzuschreiben.

Bringt, sag' ich noch einmal, man mich gedruckt an Tag;Denn in der Handschrift laß ichs bleiben,Weil ich mich nicht belügen mag.

Ich fahr' in der Erzählung fort

Doch möcht' ich in der That gesteh»,

Ich hätte manchmal mögen sehn,

Was die und die, die an den Wallfahrtsort

Mit heiligen Gedanken kam,

Für fremde Mienen an sich nahm,

Wenn der verwegne Eremit,

Fein listig, Schritt vor Schritt,

Vom Geist aufs Fleisch zu reden kam.