Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
128
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Fabeln

Lauf, oder schicke gleich zum Pater Andres hin;

Andres - - - mcrks wohl - - weil ich auch sonst sein Beichtkind bin,

So oft ich mich mit dir, o lieber Gott! versöhne."

Gleich läuft ein Diener hin, klopft an das Kloster an,

Und so, als wenn das Thor davon zerspringen solle.

Nu, nu! Gemach! gemach!" Man fragt, zn wem er wolle.

Je, macht »nr erstlich auf." Das Thor wird aufgctha».

Der Pater Andres wird zu meiner Frau begehret,

Die gerne beichte» will, weil sie bald sterben kann."

Wer? fragt ein Bruder ihn; Andres? der gute Mann!

»Zeh » Jahr istS schon, daß der im Himmel Beichte höret."

L.

Die Nuß und die Katze.

Gewiß, Herr Wirth, dieß Obst ist nicht für meinen Magen.

Denn wen» ich mir, es frey zu sage»,

Ja eine Baumfrucht loben muß,

So lob ich mir die welsche Nuß.

Die schmeckt doch noch! - Bey meiner Trcn!

Der zartste Apfel kömmt der Nuß, der Nuß nicht bey."

Ein Kätzchen, das der Wirthinn Liebe

Nie mit Gewalt zum manscn triebe,

Und itzt in ihrem Schooße saß,

War schlau, vernahm und merkte das.

Was? dacht es, eine Nuß soll so vortrefflich schmecken?

Halt! diese Wahrheit soll mein Maul gleich selbst entdecken."

Es sprang vom Schooße weg, und lief dem Garten zu.

Nu, Katze, nu, wie dumm bist du!

Der schonen Chloris Schooß um eine Nuß zu lassen?

Wärst du ein junger Herr, wie wurde sie dich hassen.

Nein, Schönen, räumet mir mir diese» Ort erst ein;

So wahr er mich ergetzt, ich will kein Kätzchen sey».

Doch dieses sag ich nur so im Vorübergehen.

Horcht! ich erzähle fort. Beym Garten blieb ich stehe»?

Nicht? Ja. Wohl gut. Hier saud der Katze Lüsternheit

Beym nächsten Nußbaum nun, worauf sie sich gefreut.

Wollt ihr etwa» ein Bild zu meiner Fabel male»,

So malt die Russe ja noch in den grünen Schalen,

Die unsre Katze fand. Darauf kömmt alles an.