132
Fabeln.
5. Zcvs lind das Pfcrd.
ile n»t. an. lil). III. csn. 7.
Vatcr der Thicre lind Mcnschcu, so sprach das Pfcrd lindnahtc sich dcm Throne des Zcvs, man will, ich sey eines derschönsten Geschöpfe, womit dn die Welt gczicrct, und meine Ei-genliebe heißt mich es glauben. Aber sollte gleichwohl nichtnoch vcrschicdncs an mir zu bessern seyn ? —
Und was meinst du denn, daß an dir zu bessern sey? Rede;ich nehme Lehre an: sprach der gute Gott, und lächelte.
Vielleicht, sprach das Pferd weiter, wurde ich flüchtiger seyn,wenn meine Beine höher und schmächtiger wären; ein langerSchwanenhals würde mich nicht verstellen; eine breitere Brustwürde meine Stärke vermehren; und da du mich doch einmalbestimmt hast, deinen Liebling, den Menschen, zu tragen, sokönnte mir ja wohl der Sattel ancrschaffcn seyn, den mir derwohlthätige Reiter auflegt.
Gut, versetzte Zcvs; gedulde dich einen Augenblick! Zcvs,mit ernstem Gesichte, sprach das Wort der Schöpfung. Daquoll Leben in den Staub, da verband sich organisirtcr Stoff;und plötzlich stand vor dcm Throne — das häßliche Ramecl.
Das Pferd sab, schauderte und zitterte vor entsetzendem Abscheu.
Hier sind Höhcrc und schmächtigere Beine, sprach Zcvs; hicrist ein langer Schwanenhals; hicr ist eine breitere Brust; hicrist der ancrschaffcne Sattcl! Willst du, Pferd, daß ich dich soumbilden soll?
Das Pfcrd zittcrtc noch.
Gch, fuhr Zcvs fort; dicscsmal sey belehrt, ohne bestraft zuwerden. Dich deiner Ncrmcsscnhcit aber dann nnd wann reuendzu erinnern, so daurc du fort, neues Geschöpf — Zcvs warf
cincn erhaltenden Blick auf das Kamccl--und das Pferd
erblicke dich nic, ohne zu schaudern.