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1 (1838)
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Fabeln.

1Z. Der Rabe und der Fuchs.

kab. ^elop. 205. ?I>Näru8 lib. I. ?->!,. 13.

Ein Rabe trug ein Stuck vergiftetes Fleisch, das der er-zürnte Gärtner für die Katzen seines Nachbars hingeworfenhatte, in seinen Klauen fort.

Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren,als sich ein Fuchs herbey schlich, und ihm zurief: Sey mir ge-segnet, Vogel des Jupiters! Für wen siehst du mich an?fragte der Rabe. Für wen ich dich ansehe? erwiederte derFuchs. Bist du nicht der rüstige Adler, der täglich von derRechte des Zcvs auf diese Eiche herab kommt, mich Armen zuspeisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in dersiegreichen Klaue die erflehte Gabe, die mir dein Gott durchdich zu schicken noch fortfährt?

Der Rabe erstaunte, und freute sich innig, für einenAdler gehalten zu werden. Ich muß, dachte er, den Fuchsaus diesem Irrthume nicht bringen. Großmüthig dumm ließer ihm also seinen Raub herabfallen, und flog stolz davon.

Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf, und fraß es mit bos-hafter Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein schmerz-haftes Gefühl; das Gift fing an zu wirken, und er verreckte.

Möchtet ihr euch nie etwas anders als Gift crlobcn, verdammteSchmeichler! _

16. Der Gcitzige.

?->d. ^ekop, 59.

Ich Unglücklicher! klagte ein Gcitzhals seinem Nachbar. Manhat mir den Schatz, den ich in meinem Garten vergraben hatte,diese Nacht entwendet, und einen verdammten Stein an dessenStelle gelegt.

Du würdest, antwortete ihm der Nachbar, deinen Schatzdoch nicht genutzt haben. Bilde dir also ein, der Stein seydein Schatz; und du bist nichts ärmer.

Wäre ich auch schon nichts ärmer, erwiederte der Gcitzhals;ist ein andrer nicht um so viel reicher? Ein andrer um so vielreicher! Ich möchte rasend werden.