Zweytes Buch.
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17. Der Rabe.
I-ali. ^elop. 132.
Der Fuchs sahe, daß der Rabe die Altäre der Götter be-raubte, und von ihren Opfern mit lebte. Da dachte er beysich selbst: Ich möchte wohl wissen, ob der Rabe Antheil anden Opfern hat, weil er ein prophetischer Vogel ist; oder obman ihn für einen prophetischen Vogel hält, weil er frech ge-nug ist, die Opfer mit den Göttern zu theilen.
18. Zcvs und das Schaf.
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Das Schaf mußte von allen Thieren vieles leiden. Datrat cS vor den Zcvs, und bat, sein Elend zu mindern.
ZcvS schien willig, und sprach zu dem Schafe: Ich sehewohl, mein frommes Geschöpf, ich habe dich allzu wehrlos er-schaffen. Nun wähle, wie ich diesem Fehler am besten abhelfensoll. Soll ich deinen Mund mit schrecklichen Zähnen, und deineFüße mit Krallen rüsten? —
O nein, sagte das Schaf; ich will nichts mit den rcißcndcnThieren gemein haben.
Oder, fuhr Zcvs fort, soll ich Gift in deinen Speichel legen?
Ach! versetzte das Schaf; die giftigen Schlangen wcrdcnja so sehr gchasscr. —
Nun was soll ich dcnn? Ich will Hörncr auf deine Stirnepflanzen, und Stärke dcincm Nackcn gcbcn.
Auch nicht, gütigcr Vatcr; ich könntc leicht so stößig wcrdcn,als der Bock.
Und gleichwohl, sprach Zcvs, mußt du selbst schaden können,wenn sich andere dir zu schaden hüten sollen.
Müßt ich das! seufzte das Schaf. O so laß mich, gütigcrVatcr, wie ich bin. Dcnn das Vermögen, schaden zu können,erweckt, fürchte ich, die Lust, schaden zu wollen; und es istbesser, Unrecht leiden, als Unrecht thun.
Zcvs segnete das fromme Schaf, und es vergaß von Stundan, zu klagen.