Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
157
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Trittes Buch.

7. Der Rangstreit der Thiere,in vier Fabeln.

Es entstand ein hitziger Rangstreit unter den Thieren. Ihnzu schlichten, sprach das Pferd, läßet uns den Menschen zuRathe ziehen; er ist keiner von den streitenden Theilen, undkann desto unparthcyischcr seyn.

Aber hat er auch den Verstand dazu? ließ sich ein Maul-wurf hören. Er braucht wirklich den allcrfcinstcn, unsere ofttief versteckte Vollkommenheiten zu erkennen.

Das war sehr weislich erinnert! sprach der Hamster.

Za wohl! rief auch der Igel. Ich glaube cs nimmermehr,daß der Mensch Scharfsichtigkcit genug besitzet.

Schweigt ihr! befahl das Pferd. Wir wissen cs schon:Wer sich aus die Güte seiner Sache am wenigsten zu verlassenhat, ist immer am fertigsten, die Einsicht seines Richters inZweifel zu ziehen. _

8. ^

Der Mensch ward Richter. Noch ein Wort, rief ihmder majestätische Löwe zu, bevor du den Ausspruch thust! Nachwelcher Rcgcl, Mensch, willst du unsern Werth bestimmen?

Nach welcher Rcgcl? Nach dcm Gradc, ohnc Zweifel, ant-wortete dcr Mensch, in welchem ihr mir mehr oder wenigernützlich seyd.

Vortrefflich! versetzte dcr beleidigte Löwe. Wie weit würdeich alsdcnn unter dcm Escl zu stchcn kommcn! Du kannstunser Richtcr nicht scyn, Mcnsch! Verlaß dic Versammlung!

9. »1

Dcr Mcnsch entfernte sich. Nun, sprach dcr höhnischeMaulwurf, (und ihm stimmte dcr Hamster und dcr Jgclwicdcr bey) siehst du, Pferd? dcr Löwe mcint cs auch, daßdcr Mcnsch unscr Richtcr nicht scyn kann. Dcr Löwc dcnkt,wie wir.

Abcr aus bessern Gründen, als ihr! sagte dcr Löwc, undwarf ihnen einen verächtlichen Blick zu.