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1 (1838)
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205
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Gedichte. 205

Der neue Wcltbau.

Der Wein, der Wem macht nicht mir froh.Er macht auch zum Astronomo.Ihr kcnnt doch wohl den großen Geist,Nach dem der wahre Wcltbau heißt?Von diesem hab ich einst gelesen,Daß er beym Weine gleich gewesen,Als er der Sonne Slillestand,Die alte neue Wahrheit, fand.

Der Wein, der Wein macht nicht nur froh,Er macht auch zum Astronomo.Hört, Hort, ihr Stcrncnfahrcr, Hort,Was mich der Wein, der Wein gelehrt!So kann der Wein den Witz verstärken!Wir laufe» selbst, ohn es zu merken,Von Osten täglich gegen West!Die Sonne ruht. Die Welt steht fest!

Au den Herrn von Kleist .

Zu früh wär' es, viel zu früh, wenn schon jetzt den güldenen Fade»deines Lebens zu trennen, der blutige Mars , oder die donnernde Bcllona,der freundlich-saumseligen Kiotho vorgrif.

Der nur falle so jung, der in eine traurige, ode Wüste hinaussieht; inkünftige Tage, leer an Freundschaft und Tugend, leer an großen Entwürfenzur Unsterblichkeit.

Nicht du; der du so manchen noch froh und glücklich zu machen wün-schest; Schon solche Wünsche sind nicht die kleinsten edler Thaten!

Nicht du; den die vertrauliche Muse ins Stille winket. Wie zürnetsie auf mich, die Eifersüchtige, daß ich die Waffenlosen Stunden deiner Er-hohlung mit ihr theile.

Dir zu gefallen, hatte sie dem Lenze seinen schönsten Schmuck von Blu-men und Perlen des Thaues entlehnet; gleich der listigen Juno den Gürtelder Venus.

Und nun lockt sie dich mit neuen Bestechungen. Sich! in ihrer Rechteblitzt das tragische Zepter; die linke bedeckt das weinende Angc, nud hinterdem festliche» Schritte wallt der königliche Purpur.

Wo bin ich ? welche Bczaubcrung? Letzte Zierde des ausgeartete»RomS! Sei» Schüler sein Mörder! Wie stirbt der Weise so ruhig!