Tcr junge Gelehrte. 2t!1
Chr^s. Horaz! Horaz! Horaz war ein Ztalicncr, und mey-ner das italienische Frauenzimmer. Za vor dem italienischenwarne ich dich auch! das ist gefährlich! Ich habe einen guten
Freund, der in seiner Jugend--Doch still! man muß kein
Aergerniß geben. — Das deutsche Frauenzimmer hingegen, o
das deutsche! mit dem ist es ganz anders beschaffen.--Ich
würde der Mann nicht geworden seyn, der ich doch bin, wennmich das Frauenzimmer nicht vollends zugestutzt hätte. Ich dächte,mau sähe mirs au. Du hast todte Bücher genug gelesen; guckeinmal in ein lebendiges!
Damis. Ich erstaune — —
Chrys. O du wirst noch mehr erstaunen, wann du erst tie-fer hinein sehen wirst. Das Frauenzimmer, mußt du wissen,ist für einen jungen Menschen eine neue Welt, wo man so vielanzugaffen, so viel zu bewundern findet — —
Damis. Hören Sie mich doch! Ich erstaune, will ich sagen,Sie eine Sprache führen zu hören, in der wahrhaftig diejenigenVorschriften nicht ausgedrückt waren, die Sie mir mit auf diehohe Schule gaben.
Chrys- (^use, quali«, l^gntg! Jetzt und damals!pora rnutgritur, wie wir Lateiner sagen.
ZOamis. Tempora mut^nUir? Ich bitte Sie, legen Sie dochdie Vorurthcilc des Pöbels ab. Die Zeiten ändern sich nicht.Denn lassen Sie uns einmal sehen: was ist die Zeit? — —
Lhrys. Schweig! die Zeit ist ein Ding, das ich mir mitdeinem unnützen Gcplaudrc nicht will verderben lassen. Meinedamaligen Borschriften waren nach dem damaligen Maasse deinerErfahrung und deines Verstandes eingerichtet. Nun aber traueich dir von beyden so viel zu, daß du Ergötzlichkcitcn nicht zuBeschäftigungen machen wirst. Aus diesem Grunde rathe ichdir also — —
zvamis. Ihre Reden haben einigen Schein der Wahrheit.Allein ich dringe tiefer. Sie werden es gleich sehen. Der Sta-tus Controverslä ist--
Chrys. Ey, der Status Controversiä mag meinetwegen inBarbara oder in Lclarenl seyn. Ich bin nicht hergekommenmit dir zu disputircn, sondern - —