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1 (1838)
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Tcr junge Gelehrte.

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thrys. Gehorchten sie ihm? Nu, das ist vernünftig! Ho-mer mag doch wohl kein Narr seyn. Sich zu, daß ich vondir auch wicdcrrufcn kann. Denn wieder zur Sache: ich kenne,mein Sohn

Damis. Einen kleinen Augenblick Geduld, Herr Vatcr!Ich will mich nur hinsetzen, und diese Anmerkung aufschreiben.

Chrys. Aufschreiben? was ist hier aufzuschreiben? Wemliegt daran, ob das Sprüchclchcn aus dem Homer, oder ausdem Gcsangbuchc ist?

Damis. Der gelehrten Welt liegt daran; meiner und Ho-mers Ehre lieget daran! Denn ein halb hundert solche An-merkungen machen einen Philologen. Und sie ist neu, muß ichIhnen sagen, sie ist ganz ncil»

Chrys. So schreib sie ein andermal auf.

Zvamis. Wann sie mir aber wieder entfiele? Ich würdeuntröstlich seyn. Haben Sie wenigstens die Gütigkcit, mich wie-der daran zu erinnern.

Chrys. Gut, das will ich thun; höre mir nur jetzt zu. Ichkeime, mein Sohn, ein recht allerliebstes Frauenzimmer; undich weiß, du kennst es auch. Hättest du wohl Lust--

Darms. Ich soll ein Frauenzimmer, ein liebenswürdigesFrauenzimmer kennen? O, Herr Vatcr, wenn das jemand hörte,was würde er von meiner Gclcbrsamkcit dcnkcn? Ich,ein licbcnswürdigcs Frauenzimmer?

Chrys. Nun wahrhaftig; ick glaube nickt, daß ein Gast-wirth so erschrecken kann, wenn man ihm Schuld giebt, erkenne den oder jenen Spitzbuben, als du erschrickst, weil duein Frauenzimmer kennen sollst. Ist denn das ein Schimpf?

Damis. Wenigstens ist es keine Ehre, besonders für einenGelehrten. Mit wem man umgeht, dessen Sitten nimmt mannach und nach an. Jedes Frauenzimmer ist eitel, hoffärtig,geschwätzig, zänkisch und Zeitlebens kindisch, es mag so altwerden, als es will. Jedes Frauenzimmer weiß kaum, daß cscinc Seele hat, nm die cs unendlich mehr besorgt scvn sollte,als um dcn Körpcr. Sich anklcidcn, ausklcidcn, und wicdcranders anklcidcn; vor dcm Spicgcl sitzcn; seinen eignen Rcitzbewundern; auf ausgckünstcltc Mienen siiincii; mit neugierigen