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Ter junge Gelehrte.
Valer- Dein Urtheil ist zu allgemein. Nicht alle Perso-nen von einerley Stande sind auf einerlei) Art gesinnct. Ichkenne vcrschiedne alte rechtschaffne Sachwalter--
K.isette- Was wollen Sie mit Ihren alten? Es ist eben,als wenn Sie sagten, die grossen runden Aufschläge, die klei-nen spitzen Knöpfe, die erschrecklichen Halskrausen, aus welchenman Schifsscgcl machen könnte, die vicrcckigtcn breiten Schuhe,die tiefen Tasche», kurz die ganze Tracht, wie sich etwa IhrePathcn an Ehrentagen mögen ansstaffirt haben, wären nochjetzt Mode, weil man noch manchmal hier und da einige ge-bückte zitternde Männcrchcn über die Gassen so schleichen sieht.Lassen Sie nur noch die, und Ihr Paar alte rechtschaffne Ad-vokaten sterben; die Mode und die Redlichkeit werden einenWeg nehmen.
valer. Man hört doch gleich, wenn das Frauenzimmeram beredtesten ist!
-S.isette, Sie meynen etwa, wenn es ans Lästern geht?O wahrhaftig! des blossen Lästcrns wegen habe ich so viel nichtgeplaudert. Meine vornehmste Absicht war, Ihnen beyzubrin-gen, wie viel überall das Geld thun könne, und was für einvortreffliches Spiel ein Liebhaber in den Händen habe, wenner gegen alle freygebig ist, gegen die Gebieterinn, gegen denAdvokaten und--Dero Dienerinn. (Sie macht eine Verbeugung.)
valer. Verlaß dich auf meine Erkenntlichkeit. Ich ver-spreche dir eine recht ansehnliche Ausstattung, wenn wir glück-lich sind - —
-ü.lsetle. Ey, wie fein! eine Ausstattung ? Sie hoffen dochwohl nicht, daß ich übrig bleiben werde?
Valer. Wann du das befürchtest, so verspreche ich dir denMann darzu. — — Doch komm nur; Juliane wird ohneZweifel auf uns warten. Wir wollen gemeinschaftlich unsreSachen weiter überlegen.
K.isette. Gehen Sie nur voran; ich muß noch hier ver-ziehen, um meinem jungen Gelehrten--
valer. Er wird vielleicht schon unten bey dem Vater seyn.
^isette- Wir müssen uns alleinc sprechen. Gehen Sie nur!Sie haben ihn doch wohl noch nicht gesprochen?