Die Juden.
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Man sieht ja kaum aller zwey Meile» einen; und wo auch ei-ner steht, steht er meist leer. Ich glaube, die Herren Richterwerden, aus Höflichkeit, die Dinger gar eingehen lassen. Zuwas sind sie auch nütze? Zu nichts, als aufs höchste, daß un-ser einer, wenn er vorbey geht, die Augen zublinzt.
Mart, Rr. O! das thu ich nicht einmal. Mein Vaterund mein Großvater sind daran gestorben, was will ichs besserverlangen? Zch schäme mich meiner Eltern nicht.
Mich. Sr. Aber die ehrlichen Leute werden sich deinerschämen. Du hast noch lange nicht so viel gethan, daß mandich für ihren rechten lind ächten Sohn halten kann.
XNart. Rr. O! denkst du denn, daß es deswegen unsermHerrn soll geschenkt seyn? Und an dem verzweifelten Fremden,der uns so einen fetten Bissen aus dem Munde gerissen hat,will ich mich gewiß auch rächeu. Seine Uhr soll er so richtigmüssen da lassen--Ha! sieh, da kömmt er gleich. Hur-tig geh fort! ich will mein Meisterstück machen.
Mich. Gr. Aber halbpart! halbpart!
Zweyter Auftritt.Martin Rrumm. Der Reisende.
Mart. Rr. Zch will mich dumm stellen. — Ganz dienst-williger Diener, mein Herr,--ich werde Martin Krumm hcis-
scn, und werde, auf diesem Gute hier, wohlbcstaltcr Vogt seyn.
Der Reis. Das glaube ich Euch, mein Freund. Aberhabt Ihr nicht meinen Bedienten gesehen?
Mart. Rr. Ihnen zu dienen, nein; aber ich habe wohlvon Dero prcißwürdigen Person sehr viel gutes zu hören, dieEhre gehabt. Und es erfreut mich also, daß ich die Ehre habe,die Ehre Ihrer Bekanntschaft zu gemessen. Man sagt, daß Sieunsern Herrn gestern Abends, auf der Reise, aus einer sehrgefährlichen Gefahr sollen gerissen haben. Wie ich nun nichtanders kann, als mich des Glücks meines Herrn zu erfreuen,so erfreu ich mich — —
Der Reis. Zch errathe, was Ihr wollt; Ihr wollt Euchbey mir bedanken, daß ich Eurem Herrn bcygcstandcn habe--
Marr, Rr. Za, ganz recht; eben das!
L-slmgö Werke i. 2V