Die Juden. 33?
meinem Volke etwas gelinder und weniger allgemein urtheile».Ich habe mich nicht vor Ihnen verborgen, weil ich mich meinerReligion schäme. Nein! Ich sahe aber, daß Sie Neigung zumir, und Abneigung gegen meine Nation hatten. Und dieFreundschaft eines Menschen, er sey wer er wolle, ist mir alle-zeit unschätzbar gewesen.
Der Baron. Ich schäme mich meines Verfahrens.
Christ. Nun komm ich erst von meinem Erstaunen wiederzu mir selber. Was? Sie sind ei» Jude, und haben dasHerz gehabt, einen ehrlichen Christen in Ihre Dienste zu neh-men? Tic hätten mir dienen sollen. So wär es nach der Bibelrecht gewesen. Potz Stern! Sie haben in mir die ganze Chri-stenheit beleidigt. — Drum habe ich nicht gewußt, warum derHerr, auf der Reise, kein Schwcinflcisch essen wollte, und sonsthundert Alfanzcrcycn machte. — Glauben Sie nur nickt, daßich Sie länger begleiten werde! Verklagen will ich Sie noch dazu.
Der Reis. Ich kann es Euch nicht zunmthcn, daß Ihrbesser, als der andre christliche Pöbel, denken sollt. Ich willEuch nicht zu Gemüthe führen, aus was für erbärmlichen Um-ständen ich Euch in Hamburg riß. Ich will Euch auch nichtzwingen, länger bey mir zu bleiben. Doch weil ich mit EurenDienste» so ziemlich zufrieden bin, und ich Euch vorhin ausser-dem in ciiiem ungcgründctcn Verdachte hatte, so behaltet zurVergeltung, was diese» Verdacht verursachte, (gib! ihm die Dost)Eure» Loh» könnt Zhr auch haben. Sodann geht, wohinZhr wollt!
Christ. Nci» , der Henker! es gibt doch wohl auch Ju-den die keine Juden sind. Sie sind ein braver Mann. Topp,ich bleibe bc» Ihnen! Ein Ehrist hätte mir einen Fuß in dieNippen gegeben, und keine Dose!
Der Zöaron. Alles was ich vo» Ihnen sehe, entzückt mich.Kommen Sie, wir wollen Anstalt mache», daß die Schuldi-gen in sichere Verwahrung gebracht werde». O wie achtungs-würdig wäre» die Juden, wenn sie alle Ihnen glichen!
Der Reis. Und wie liebenswürdig die Christen, wenn siealle Ihre Eigenschaften besäßen!
(Der Baron, das Fräulein und der Siciscndc gcl'cn ab.)
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