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Der Misogyn.
valer. Es sollte mir leid seyn, wenn Ihnen hiervon nichtmein Gehorsam--
U?umsh. Du hast Recht, dich auf deinen Gehorsam zuberufen. Allein hat es dich auch jemals gereuet, wenn du mirgehorsam gewesen bist?
Valer. Bis jetzt noch nie; aber — —
U?umsh. Aber du furchtest, es werde dich gereuen, wenndu mir auch hierum folgen wolltest; nicht wahr? Doch wennes andem isi> daß ich dein treuer Vater bin; wenn es an demist, daß ich mit meiner väterlichen Zuneigung, Einsicht undErfahrung verbinde: so ist deine Furcht sehr unbillig. Manglaubt einem Unglücklichen, den Sturm und Wellen an dasUfer geworfen, wenn er uns die Schrecken des Schifbruchserzählt; und wer klug ist, lernt aus seiner Erzählung, wie we-nig dem ungetreuen Wasser zu trauen. Alles, was so ein Un-glücklicher auf der See erfahren hat, habe ich in meinem drey-maligen Ehestände erfahren; und gleichwohl willst du nicht durchmeinen Schaden klug werden? Ich war in deinen Jahren ebenso feurig, eben so «»bedachtsam. Ich sah ein Mädchen mitrothen Backen, ich sah es, und beschloß meine Frau darauszu machen. Sie war arm--
valer. O Herr Vater, verschonen Sie mich mit der noch-maligen Erzählung Ihrer Geschichte. Ich habe sie schon so oftgehört —
Ivumsh. Und du hast dich noch nicht daraus gebessert? —Sie war arm, und ich besaß auch nicht viel. Nun stelle direinmal vor, was ein angehender Handelsmann, wie ich da-zumal war, für Kummer, Sorge und Plage hat, wenn er mitleeren Händen anfängt.
Valer. Meine Braut aber ist ja nichts weniger, als arm.
Ivumsh. Höre nur zu! Zu meinen Anverwandten durfteich bey meinen mühseligen Umständen keine Zuflucht nehmen.Warum? sie hatten mir vorgeschlagen, eine alte reiche Wittwezu hcyrathcn, wodurch mir in meiner Handlung auf einmalwäre geholfen gewesen. Ich stieß sie also vor den Kopf, daich mich in ein schönes Gesicht vergaffte, und lieber glücklich lie-ben, als glücklich leben wollte.