Der Misogyn.
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iiuiist ähnliches, besitzen, so müssen sie nothwendig von ihrereignen Abschculichkcit überzeugt seyn. Sie ist so sonnenklar;und nur du kannst sie nicht sehen, weil dir die Liebe die Au-gen zuhält.
K.elio. O, mein Herr, Sie reden, wie die Vernunft selbst.Sie haben mich in der kurzen Zeit, die ich bey Ihnen bin,ganz bekehrt. Das Frauenzimmer war mir auch sonst nicht
allzu gleichgültig. Aber jetzt--ja, ich sollte Ihr Sohn
seyn, mein Herr Wumshätcr; ich wollte das Geschlecht derWeiberfeinde vortrefflich fortpflanzen! Meine Söhne sollten alleso werden, wie ich!
valer. Das laß ich gelten. Solche Weiberfeinde würdendoch wenigstens die Welt nicht ausstcrbcn lassen.
Ä.elio. Das wäre auch albern genug. So müßten ja auchdie Weiberfeinde mit ausstcrben? Nein, nein, Valer, auf dieErhaltung so vorzüglicher Menschen muß man, so viel als mög-lich, bedacht seyn. Nicht wahr?
U?omsh. Das ist schon cinigermaaßen wahr. Doch abersähe ich lieber, wenn mein Sohn andere darauf bedacht seynließe. Ich weiß gewiß, man wird seinen Beytrag nicht ver-missen. Warum soll er sich, einer ungewissen Nachkommen-schaft wegen, ein unglückliches Leben machen? Und dazu ist eseine sehr schlechte Freude, Kinder zu haben, wenn man so vielAngst mit ihnen haben muß, als ich. Du siehst, mein Sohn,wie ich mir deine Umstände zu Herzen nehme. Vergilt mir dochdurch deinen Gehorsam den Verdruß, den mir deine Muttergemacht hat.
S.elio. Das muß wohl eine sehr böse Frau gewesen seyn?
U?umsh. Wie sie alle sind, mein lieber Lclio. Habe ichIhnen meinen Lcbcnslauf noch nicht erzählt? Er ist erbärm-lich anzuhören.
Valer. O, verschonen Sie ihn damit. Er hat ihn schonmehr als zehnmal müssen hören.
K.elio. Ich, Valer? Sie irren Sich. Erzählen Sie ihnnur, Herr Wumshätcr; ich bitte. Ich weiß gewiß, ich werdevieles zu meiner Lehre daraus nehmen können.
N?umsh. Das gefällt mir. O, mein Sohn, wann du