Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
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362
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Ter Misogyn.

Rcitze auf mich sollte» gewartet haben, Ihre Macht über einempfindliches Herz zu äußern?

K.aura. Diese Leichtgläubigkeit würde Ihnen zu vergebengewesen seyn. Merken Sie denn aber nicht, oder wollen Siees nicht merken?

L.elio. Und was, schönste Laura?

K.aura. Daß es eine ganz andere Leichtgläubigkeit ist, diemich an Ihnen ärgert.

-L.elio. Eine andere? Sie haben Recht! Ah, ichDummkopf!

Ä.aura. Nun?

^.elio. Ich kann meine Augen, vor Schani, nicht auf-schlagen.

K.aura. Vor Scham?

K.elio. Wie lächerlich muß ich Ihnen vorkommen?

A.aura. Ich wüßte nicht

^.elio. Wie abgeschmackt erscheine ich mir selbst!

Z.aura. Mit Ihren Erscheinungen! Und warum denn?

K.cllo. Ja wohl, wie lächerlich, wie abgeschmackt, daß ichHöflichkeit für Zärtlichkeit, gesellschaftliche Verbindlichkeiten fürMerkmale einer werdenden Liebe gehalten habe! Das, das istdie Leichtgläubigkeit, die Ihnen an mir so ärgerlich ist; eineLeichtgläubigkeit, die desto sträflicher wird, je mehr Stolz sievoraussetzt.

L.aura. Lclio!

F.elio. Aber vergeben Sie mir; seyn Sie großmüthig, schönsteLaura; richten Sie mich nicht nach aller Strenge. Meine Ju-gend verdient Ihre Nachsicht. Welche Mannsperson von mei-nen Jahren, von meiner Bildung, von meiner Lebhaftigkeit,ist nicht ein wenig Geck? Es ist unsere Natur. Zeder lächlcndcBlick, dünkt uns der Zoll unsrer Verdienste, oder die Huldigungunsres Werths; ohne zu untersuchen, ob er nicht bloß aus Zer-streuung, ob er nicht aus Mitleid, ob er nicht wohl gar ausHohn auf uns gefallen.

Ä.aura. O, Sie machen mich ungeduldig. Ich weiß garnicht, wie es mit Ihrem kleinen Gehirne dann und wann steht.

S.elio. Nicht immct zum besten. Aber besorgen Sie