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Der Misogyn.
Fünfter Austritt.Lelio. Valer. Laura. Lisette.
K.anra. Wir müssen uns schämen, Bruder, daß ein so lie-benswürdiger (Hast von unserm Natcr so übel aufgenommen wor-den. Du mußt übrigens der Liebe deiner Hilaria sehr gewißseyn, daß du ihre Geduld auf diese empfindliche Probe zu stel-len, hast wagen dürfen.
F.elio. Sie haben eine sehr gütige Schwester, Valer. ZhrcHöflichkeit würde mich verwirren, wenn ich nicht wüßte, in wel-cher Achtung mein Bruder bey ihr zu stehen das Glück habe.Er gefällt Ihnen, zärtliche Laura, und diese Eroberung wardas erste, was er mir bey meiner Ankunft mit einer triumphi-rcndcn Mine erzählte. Er ist es auch in der That schon werth,daß ein Frauenzimmer um ihn seufzet. Aber nehmen Sie Sichgleichwohl in Acht; er ist ein kleiner Berräthcr, und macht sichnicht das geringste Bedenken, eine Untreue zu begehen. WennSie ihn nicht recht fest zu halten wissen, so wird er aus demGarne seyn, ehe Sie Sichs versehen. Er ist ruhmredig dabey,und ich stehe Ihnen nicht dafür, daß er nicht hernach mit mchrcrnGunstbczcugungcn prahlen sollte, als er wirklich erhalten. — Ichempfehle mich Ihnen, bis auf Wiedersehen. Kommen Sie, Nalcr.
Sechster Auftritt.Laura. Lisette.
A.aura. Was war das? Ich glaube Lclio und Hilariamüssen nicht klug seyn. Woher weiß er es denn, daß ich ihnliebe? Und wenn er es auch wissen könnte, ist es nicht etwassehr nichtswürdigcs, eine so nascnwcisc Schwester zur Vertrau-ten zu machen? Gut, mein Herrchen, gut, daß wir miteinandernoch nicht so weit sind! — Aber wie stehst du denn da, Lisettc?Bist du versteinert? Rede doch!
Ausene. Noch kann ich mich nicht recht besinnen, was ichgesehen und gehört habe. Lassen Sie mir ein klein wenig Zeit,daß ich mich von meinem Erstaunen erhole! Wer war dasFrauenzimmer?
K.aura. Hilaria. Du hast sie die ganze Zeit über ja steifgenug angesehen. Sahe sie dem Lclio nicht ähnlich genug, daßdu noch daran zweifeln wolltest?