Der Misogyn. 386
wumsh. Nun? —
F.ello. Daß eben dieselbe Nase —
Valcr. Kurz, liebster Vater, (indem er ihm zn Fnssc fällt) ver-zeihen Sie meiner unschuldigen List. Lclio ist Maria, undHilaria hatte die Liebe, mir nur deswegen in Mannsklcidcrnhierher zn folgen, damit sie Gelegenheit haben könnte, die Ge-wogenheit eines Mannes zu erlangen, von welchem sie es wußte,wie unerbittlich er gegen ihr Geschlecht sey.
wumsh. Steh auf, mein Sohn,") steh auf, und macheder Possen einmal ein Ende. Ich sehe nun wohl, wie es ist.Deine Hilaria ist gar nicht da, und der leichtfertige Lclio hatmit scincm Zungfcrgcsichtchcn ihre Rolle gcspiclt. Pfuy, Lclio— (indem cr ans ihn los geht) Nein, nein, so leicht hintergehtman mich nicht. Legen Sie immer diesen zweyten Habit wiederab, mein guter-— (indem er sie ans die Achsel klopfen will) Himmel,was seh ich? O weh, meine arme Augen! Wo gerathen diehin. Es ist ein Weibsbild! Es ist wirklich ein Weibsbild! Unddas listigste, das verschlagenste, das gefährlichste vielleicht vonallen, die in der Welt sind. Ich bin betrogen! Ich bin ver-rathen! Mein Sohn, mein Sohn, wie hast du das thunkönnen!
Valer. Lassen Sie mich nochmals zu Ihren Füssen umVergebung bitten.
Mumsh. Was hilft dir meine Vergebung, wenn du mei-nem Rathe nicht mchr folgen kannst? freylich vergeb ich dir,aber —
Ä.elic>. Auch ich bitte auf das dcmüthigstc um Verzeihung —IVumcch. Gehn Sie nur, gehn Sie nur. Zch vergeb auchIhnen — weil ich muß!
") Das folgende 1755 so.Ich sehe, ich bin betrogen, und dieser Streich ist nntcr den schlimmenStreichen, die mir das Frauenzimmer gespielt hat, der kleinste nicht.
Lelio. Lassen Sie auch mich ans das dcmülhigste um Verzeihung bitten.
Wumsl). Gut, ich vergebe auch Ihnen, Weil denn der Mensch ver-liebt und närrisch seyn soll, so sey cs auch du, mein Sohn. Zch habe meinmöglichstes gethan, dich von deinem Unglücke zurück zu halte»; du willst mirnicht folgen, mm wohl — Zieh in Frieden, u, f. w.
Lessings Werke i- 25