Tcr Freygeist.
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Dritter Aufzug.
Erster Auftritt.Theophan- Araspe.
Araspe. Was ich Ihnen sage-? mein lieber Vetter. DasVergnügen Sie zu überfallen, und die Begierde bey Ihrer Ver-bindung gegenwärtig zu seyn, sind freylich die vornehmsten Ur-sachen meiner Anherkunft; nur die einzigen sind cs nicht. Ichhatte den Aufenthalt des Adrast endlich ausgekundschaftet, undes war mir sehr lieb, auf diese Art, wie man sagt, zweyWürfe mit Einem Steine zu thun. Die Wechsel des Adrastsind verfallen, und ich habe nicht die geringste Lust, ihm auchnur die allcrklcinstc Nachsicht zu gönnen. Ich erstaune zwar,ihn, welches ich mir nimmermehr eingebildet hätte, in demHause Ihres künftigen Schwiegervaters zu finden; ihn auf ebendemselben Fuße, als Sie, Thcophan, hier zu finden: abergleichwohl,--und wenn ihn das Schicksal auch noch nä-her mit mir verbinden könnte, — —
Theopban. Ich bitte Sie, liebster Vetter, betheuern Sienichts.
Araspe. Warum nicht? Sie wissen wohl, Thcophan, ichbin dcr Mann sonst nicht, wclchcr seine Schuldncr auf cinegrausame Art zu drücken fähig wärc. — —
Thcophan. Das wciß ich, und dcsto chcr — —Araspe. Hier wird kein Dcsto chcr gcltcn. Adrast, dicscrMann, dcr sich, ans eine cbcn so abgeschmackte als ruchlose Art,von andern Mcnschcn zu untcrschcidcn sucht, vcrdicnt, daß manihn auch wicdcr von andern Menschen unterscheide. Er mußdie Vorrechte nicht gcnicßcn, die ein ehrlicher Mann scincnclcndcn Nächsten sonst gern gcnicßcn läßt. Eincm spöttischenFrcygcistc, wclchcr uns lieber das Edelste, was wir besitzen,rauben, und uns alle Hoffnung ciucs künftigcn glückseligern Le-bens zu nichte machen möchte, vergilt man noch lange nichtGleiches mit Gleichem, wenn man ihm das gegenwärtige Lebenein wenig sauer macht. — ^ Ich weiß, cs ist dcr letzte Stoß,den ich dcm Adrast vcrsctzc; cr wird scincn Kredit nicht wicdcrherstellen könncn. Ja, ich wollte mich frcucn, wcnn ich so ga?
Lcssmgs Wette I. 27