Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
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431
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Der Freygeist.

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Juliane. Za, wenn du mit deinen Einbildungen dazukömmst--

'Henrietle. O! ich bin mit meinen Einbildungen recht wohlzu frieden. Ich kann ihnen nicht nachsagen, daß sie mich jemalssehr irre geführt hätten.

Juliane- Was mcynst du damit?

^Henriette. Muß man denn immer etwas meynen? Duweißt ja wohl, Hcnricttc schwatzt gerne in den Tag hinein, undsie erstaunt allezeit selber, wenn sie von ohngcfähr ein Pünktchentrifft, welches das Pünktchen ist, das man nicht gerne treffenlassen möchte.

Juliane. Nun höre einmal, Lisette!

Henriette- Za, Lisette, laß uns doch hören, was das füreine schwesterliche Ermahnung ist, die sie mir ertheilen will.

Juliane. Ich dir eine Ermahnung?

-Henriette. Mich deucht, du sprachst davon.

Juliane. Ich würde sehr übel thun, wenn ich dir das ge-ringste sagen wollte.

Henriette. O! ich bitte

Juliane. Laß mich!

Henriette. Die Ermahnung, Schwesterchen!

Juliane. Du verdienst sie nicht.

-Henrietre- So ertheile sie mir ohne mein Verdienst.

Juliane- Du wirst mich böse machen.

-Henrictte- Und ich,--ich bin es schon. Aber denke

nur nicht, daß ich es über dich bin. Ich bin es über nieman-den, als über den Adrast. Und was mich unversöhnlich gegenihn macht, ist dieses, daß meine Schwester seinetwegen gegenmich ungerecht werden muß.

Juliane. Von welcher Schwester sprichst du?

-Henriene. Von welcher?--von der, die ich gehabt habe.

Juliane- Habe ich dich jemals so empfindlich gesehen!Du weißt es, Lisette, was ich gesagt habe.

Eiferte. Za, das weiß ich; und eS war wirklich weiternichts, als eine unschuldige Lobrede auf den Adrast, an der ichnur das auszusetzen hatte, daß sie Mamsell Hcnricttcn eifersüch-tig machen mußte.