438
Tcr Zrcygeist.
ligion? Und worinn kann die Schönheit der Seele anders be-stehen, als in solchen Begriffen? in würdigen Begriffen von Gott,von uns, von unsern Pflichten, von unserer Bestimmung? Waskann uuser Herz, diesen Sammelplatz verderbter und unruhigerLeidenschaften, mehr reinigen, mehr beruhigen, als eben dieseReligion? Was kann uns im Elende mehr aufrichten, als sie?Was kann uns zu wahrern Menschen, zu bessern Bürgern, zuaufrichtigern Freunden machen, als sie? — — Fast schäme ichmich, Adrast, mit Ihnen so ernstlich zu reden. Es ist der Tonohne Zweifel nicht, der Ihnen an einem Frauenzimmer gefällt,ob Ihnen gleich der entgegen gesetzte eben so wenig zu gefallenscheinet. Sie könnten alles dieses aus eiucm beredter« Munde,aus dem Munde des Theophans hören. — —
Bicrter Auftritt.
Henrietre. Juliane. Adrast.
-Henrielte. (bleibt an der Scene horchend stehen) St!
Adrast. Sagen Sie mir nichts vom Thcophan. Ein Wortvon Ihnen hat mehr Nachdruck, als ein stundenlanges Geplärrevon ihm. Sie wundern Sich? Kann es bey der Macht, dieeine Person über mich haben muß, die ich einzig liebe, die ichanbete, anders seyn? — — Ja, die ick liebe. — Das Wortist hin! es ist gesagt! Ich bin mein Geheimniß los, bey dessenVcrschwcigung ich mich ewig gequäkt hätte, von dessen Ent-deckung ich aber darum nichts mehr hoffe. — — Sie entfärbensich?--
Juliane. Was habe ich gehört? Adrast! —
Adrast. (indem er niederfällt) Lassen Sie mich es Ihnen aufden Knieen zuschwörcn, daß Sie die Wahrheit gehört haben. —Ich liebe Sie, schönste Juliane, und werde Sie ewig lieben.Nun, nun liegt mein Herz klar und aufgedeckt vor Ihnen da.Umsonst wollte ich mich und andere bereden, daß meine Gleich-gültigkeit gegen Henricttcn, die Wirkung an ihr bemerkter nach-thciliger Eigenschaften sey; da sie doch nichts, als die Wirkungeiner schon gebundenen Neigung war. Ach! die liebenswürdigeHcnricttc hat vielleicht keinen andern Fehler, als diesen, daßsie eine noch liebenswürdigere Schwester hat. — ---