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Der Schatz.
--O Philto, Philto! Sind Sie der ehrliche Philto, den
die Stadt bisher noch immer unter die wenigen Männer vonaltem Schrot und Korne gezählt hat?
Philto. Das ist ja ein vortrefflicher Anfang zu einer Straf-predigt. Wie käme ich zu der?
Staleno. Was für Zeug wird von Ihnen in der Stadtgesprochen! Ein alter Bctricgcr, ein Leuteschinder, ein Blut-igel, — das sind noch Ihre besten Ehrentitel.
Philto. Meine?
Sralcno. Za, Ihre.
Philto. Das ist mir leid. Aber was ist zu thun? manmuß die Leute reden lassen. Ich kann es niemanden verwehren,das Nachteiligste von mir zu denken, oder zu sprechen; genug,wenn ich bey mir überzeugt bin, daß man mir Unrecht thut.
Sralcno, So kaltstnnig sind Sie dabey? So kaltsinnigwar ich nicht einmal, als ich es hörte. Aber mit dieser Ge-lassenheit sind Sie noch nicht gcrcchtfcrtigct. Man ist oft ge-lassen, weil man bey sich kein Recht zu haben fühlt, hastig undaufgebracht zu seyn. — — Von mir sollte jemand so reden!Ich drehte dem ersten dem besten den Hals um. Allein, ichglaube auch nicht, daß ich jemals durch meine Handlungen Ge-legenheit dazu geben würde.
Philto. Kann ich denn endlich erfahren, worinn das Ver-brechen besteht, das man mir Schuld giebt?
Sralcno. So? Sie müssen mit Ihrem Gewissen schonvortrefflich zu Rande seyn, daß es Ihnen nicht selbst gleich bcy-fällt. — Sagen Sie mir, war Ansclmus Ihr Freund?
Philto. Er war es, und ist es noch, so weit wir auchjetzt von einander sind. Wissen Sie denn nicht, daß er mirbey seiner Abreise seinen Sohn und seine Tochter zur Aufsichtanvertraute? Würde er das gethan haben, wenn er mich nichtfür seinen rechtschaffnen Freund gehalten hätte?
Stalcno. Du ehrlicher Ansclmus, wie hast du dich be-trogen!
Philto. Ich denke, er soll sich nicht betrogen haben.Sralcno. Nicht? Nu, nu! wenn ich einen Sohn hätte,den ich gern in das äußerste Verderben wollte gebracht wissen,