Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
512
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Minna von Barnhelm.

zigcr zu haben, lind so schlechte Mores! Einem Manne, wiemeinem Herrn, der Jahr lind Tag bey Ihm gewohnt, von demEr schon so manchen schönen Thaler gezogen, der in seinem Le-ben keinen Heller schuldig geblieben ist; weil er ein Paar Mo-nate her nicht prompt bezahlt, weil er nicht mehr so viel auf-gehen läßt, in der Abwesenheit das Zimmer auszuräumen!

Der Wirth. Da ich aber das Zimmer nothwendig brauchte?da ich voraus sahe, daß der Herr Major es selbst gutwilligwürde geräumt haben, wenn wir nur lange auf seine Zurück-knuft hätten warten können? Sollte ich denn so eine fremdeHerrschaft wieder von meiner Thüre wegfahren lassen? Sollte icheinem andern Wirthe so einen Verdienst niuthwillig in den Ra-chen jagen? Und ich glaube nicht einmal, daß sie sonst wo un-tergekommen wäre. Die Wirthshäuser sind itzt alle stark besetzt.Sollte eine so junge, schöne, liebenswürdige Dame auf derStraße bleiben? Dazu ist sein Herr viel zu galant! Und wasverliert er denn dabey? Habe ich ihm nicht ein anderes Zimmerdafür eingeräumt?

Inst. Hinten an dem Taubcnschlagc; die Aussicht zwischendes Nachbars Fcucrmaurcn--

Der Wirth. Die Aussicht war wohl sehr schön, ehe sieder verzweifelte Nachbar verbaute. Das Zimmer ist doch sonstgalant, und tapeziert

Iust. Gewesen!

Der Wirth. Nicht doch, die eine Wand ist es noch. UndSein Stübchcn darneben, Herr Just; was fehlt dem Stübchcn?Es hat einen Kamin; der zwar im Winter ein wenig raucht

Iust. Aber doch im Sommer recht hübsch laßt. Herr,ich glaube gar, Er verirr uns noch oben drein?

Der Wirth. Nu, nu, Herr Zust, Herr Just

Inst. Mache Er Herr Justcn den Kopf nicht warm,oder

Der Wirthe Ich macht ihn warm? der Danziger thuts!Inst. Einen Officicr wie meinen Herrn! Oder meint Er,daß ein abgedankter Officicr nicht auch ein Officicr ist, der Ihmden Hals brechen kann? Warum wäret ihr denn im Kriege sogeschmeidig, ihr Herren Wirthe? Warum war denn da jeder