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Minna von Barnhelm.
Herr? Zch unglücklicher Mann! ich geschlagner Mann! Nein,nimmermehr! Eher muß die Dame das Quartier wieder räu-men. Der Herr Major kann ihr, will ihr sein Zimmer nichtlassen; das Zimmer ist sein; sie muß fort; ich kann ihr nichthelfen. — Zch gehe, gnädiger Herr--
v. Cellheim. Freund, nicht zwey dumme Streiche für ei-nen! Die Dame muß in dem Besitze des Zimmers bleiben —
Der Wirch. Und Zhro Gnaden sollten glauben, daß ich
aus Mißtrauen, aus Sorge für meine Bezahlung--? Als
wenn ich nicht wüßte, daß mich Zhro Gnaden bezahlen kön-nen, so bald Sie nur wollen.--Das versiegelte Bcutcl-
chen, — fünfhundert Thaler Louisdor, stehet drauf,--wel-ches Zhro Gnaden in dem Schrcibepulte stehen gehabt,--
ist in guter Verwahrung. —
v. iLellheim. Das will ich hoffen; so wie meine übrigeSachen. — Zust soll sie in Empfang nehmen, wenn er Zhnendie Rechnung bezahlt hat.--
Der Wirth. Wahrhaftig, ich crschrack recht, als ich dasBeutclchcn fand. — Zch habe immer Zhro Gnaden für einenordentlichen und vorsichtigen Mann gehalten, der sich niemals
ganz ausgicbt.--Aber dennoch,--wenn ich baar Geld
in dem Schreibepulte vermuthet hätte---
v. Tellheim. Würden Sie höflicher mit mir verfahren seyn.Zch verstehe Sie. .— Gehen Sie nur, mein Herr; lassen Siemich; ich habe mit meinem Bedienten zu sprechen.--
Der Wirth. Aber gnädiger Herr--
v. Tellheim. Komm Zust, der Herr will nicht erlauben,daß ich dir in seinem Hause sage, was du thun sollst. — —
Der Wirth. Zch gehe ja schon, gnädiger Herr! — Meinganzes Haus ist zu Zhrcn Diensten.
Vierter Auftritt.
v. Tellheim. Just.Iust. (der mit dem Fuße stampft, und dem Wirthe nachspuckt) Pfuy!v. Tellheim. Was giebts?Iust- Zch ersticke vor Bosheit,v. Tellheim. Das wäre so viel, als an Vollblütigkeit.