Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
514
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Minna von Barnhelm.

Herr? Zch unglücklicher Mann! ich geschlagner Mann! Nein,nimmermehr! Eher muß die Dame das Quartier wieder räu-men. Der Herr Major kann ihr, will ihr sein Zimmer nichtlassen; das Zimmer ist sein; sie muß fort; ich kann ihr nichthelfen. Zch gehe, gnädiger Herr--

v. Cellheim. Freund, nicht zwey dumme Streiche für ei-nen! Die Dame muß in dem Besitze des Zimmers bleiben

Der Wirch. Und Zhro Gnaden sollten glauben, daß ich

aus Mißtrauen, aus Sorge für meine Bezahlung--? Als

wenn ich nicht wüßte, daß mich Zhro Gnaden bezahlen kön-nen, so bald Sie nur wollen.--Das versiegelte Bcutcl-

chen, fünfhundert Thaler Louisdor, stehet drauf,--wel-ches Zhro Gnaden in dem Schrcibepulte stehen gehabt,--

ist in guter Verwahrung.

v. iLellheim. Das will ich hoffen; so wie meine übrigeSachen. Zust soll sie in Empfang nehmen, wenn er Zhnendie Rechnung bezahlt hat.--

Der Wirth. Wahrhaftig, ich crschrack recht, als ich dasBeutclchcn fand. Zch habe immer Zhro Gnaden für einenordentlichen und vorsichtigen Mann gehalten, der sich niemals

ganz ausgicbt.--Aber dennoch,--wenn ich baar Geld

in dem Schreibepulte vermuthet hätte---

v. Tellheim. Würden Sie höflicher mit mir verfahren seyn.Zch verstehe Sie. . Gehen Sie nur, mein Herr; lassen Siemich; ich habe mit meinem Bedienten zu sprechen.--

Der Wirth. Aber gnädiger Herr--

v. Tellheim. Komm Zust, der Herr will nicht erlauben,daß ich dir in seinem Hause sage, was du thun sollst.

Der Wirth. Zch gehe ja schon, gnädiger Herr! Meinganzes Haus ist zu Zhrcn Diensten.

Vierter Auftritt.

v. Tellheim. Just.Iust. (der mit dem Fuße stampft, und dem Wirthe nachspuckt) Pfuy!v. Tellheim. Was giebts?Iust- Zch ersticke vor Bosheit,v. Tellheim. Das wäre so viel, als an Vollblütigkeit.