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1 (1838)
Entstehung
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Minna von Barnhclm.

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tlcidcn. Ich bin Ihnen unentbehrlich; und bin, obucmich selbst zu rühmen, Herr Major und bin ein Bedienter,der wenn das Schlimmste zum Schlimmen kömmt, fürseinen Herrn betteln und stehlen kann.

v. iLellheim, Just, wir bleiben nicht beysammen.

I«st. Schon gut!

Neunter Auftritt.Ein Bedienter, v. Tellyeim. Just.

Der Bediente. Vst! Kammcrad!Just. Was gicbts?

Der Bediente. Kann Er mir nicht den Ofstcicr nachweisen,der gestern noch in diesem Zimmer (auf eines an der Seite zeigend,von welcher er herkömmt) gewohnt hat?

Just. Das dürfte ich leicht können. Was bringt Er ihm?

Der Bediente. Was wir immer bringen, wenn wir nichtsbringen; ein Kompliment. Meine Herrschaft hört, daß er durchsie vcrdrcngt worden. Meine Herrschaft weiß zu leben, undich soll ihn dcsfalls um Verzeihung bitten.

Just. Nun so bitte Er ihn um Verzeihung, da steht er.

Der Bediente. Was ist er? Wie nennt man ihn?

v. Tellheim. Mein Freund, ich habe Eucrn Austrag schongehört. Es ist eine überflüssige Höflichkeit von Eurer Herrschaft,die ich erkenne, wie ich soll. Macht ihr meinen Empfchl.Wie heißt Eure Herrschaft?

Der Bedieme- Wie sie heißt? Sie läßt sich gnädigesFräulein heißen.

v. Tellheim. Und ihr Familienname?

Der Bediente- Den habe ich noch nicht gehört, und dar-nach zu fragen, ist meine Sache nicht. Ich richte mich so ein,daß ich mcistcnthcils aller sechs Wochen eine neue Herrschafthabe. Der Henker behalte alle ihre Namen!

Inst. Bravo , Kammcrad!

Der Bediente. Zu dieser bin ich erst vor wenig Tagenin Dresden gekommen. Sie sticht, glaube ich, hier ihren Bräu-tigam.