Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
523
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Minna von Bamhcliii.

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Zwölfter Auftritt.Paul Werner, Just.

Iust- Sich da, Werner! guten Tag, Werner! willkom-men in der Stadt!

Werner. Das verwünschte Dorf! Zch kanns unmöglichwieder gewöhne werden. Lustig, Kinder, lustig; ich bringe fri-sches Geld! Wo ist der Major?

Just- Er muß dir begegnet seyn; er ging eben die Treppeherab.

Werner. Zch komme die Hintertreppe herauf. Nun wiegchts ihm? Zch wäre schon vorige Woche bey Euch gewesen;aber

Inst- Nun? was hat dich abgehalten?Werner. Zust, hast du von dem Prinzen Hcrakliusgehört?

Iust- Heraklius? Zch wüßte nicht.Werner. Kennst du den großen Helden im Morgcnlandcnicht?

Iust. Die Weisen aus dem Morgcnlande kenn ich wohl,die ums Neujahr mit dem Sterne herumlauffcn.--

Werner. Mensch, ich glaube, du liesest eben so wenig dieZeitungen, als die Bibel? Du kennst den Prinz Heraklius nicht? den braven Mann nicht, der Persicn weggenommen, undnächster Tage die ottomannische Pforte einsprengen wird? Gott sey Dank, daß doch noch irgendwo in der Welt Krieg ist! Zchhabe lange genug gehoft, es sollte hier wieder losgchcn. Aberda sitzen sie, und heilen sich die Haut. Nein, Soldat war ich,Soldat muß ich wieder seyn! Kurz, (indem er sich schüchternumsieht, ob ihn jemand behorcht) im Vertrauen, Zust; ich wanderenach Pcrsien, um unter Sr. Königlichen Hoheit, dem PrinzenHeraklius, ein Paar Fcldzügc wider den Türken zu machen.

Iust. Du?

Werner. Zch, wie du mich hier siehst! Unsere Vorfahrenzogen fleißig wider den Türken; und das sollten wir noch thun,wenn wir ehrliche Kerls und gute Christen wären. Freylichbegreiffe ich wohl, daß ein Fcldzug wider den Türken nicht