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Minna von Barnhelm.
Wenn er vier und zwanzig Stunden nach mir eintrifft, so istes das Längste.
Der Wirth. Nun ja, gnädiges Fräulein, so wollen wirihn erwarten.
Das Fräulein. Er wird auf Ihre Fragen besser antwortenkönnen. Er wird wissen, wem, und wie weit er sich zu ent-decken hat; was er von seinen Geschäften anzeigen muß, undwas er davon verschweigen darf.
Der Wirth. Desto besser! Freylich, freylich kann manvon einem jungen Mädchen (dic Francista mit einer bedeutenden Mieneansehend) nicht verlangen, daß es eine ernsthafte Sache, mit ernst-haften Leuten, ernsthaft tracktire —
Das Fräulein. Und dic Zimmer für ihn, sind doch in Be-reitschaft, Herr Wirth?
Der Wirth. Völlig, gnädiges Fräulein, völlig; bis aufdas eine —
Francist'a. Aus dem Sie vielleicht auch noch erst einenehrlichen Mann vertreiben müssen?
Der Wirth. Dic Kammcrjungfcrn aus Sachsen, gnädigesFräulein, sind wohl sehr mitleidig. —
Das Fräulein. Doch, Herr Wirth; das haben Sie nichtgut gemacht. Lieber hätten Sie uns nicht einnehmen sollen.
Der Wirth. Wie so, gnädiges Fräulein, wie so?
Das Fräulein. Ich höre, daß der Ofsicicr, welcher durchuns vcrdrcngt worden —
Der Wirth. Za nur ein abgedankter Officier ist, gnädi-ges Fräulein. —
Das Fraulein. Wenn schon! —
Der Wirth. Mit dem es zu Ende geht. —
Das Fräulein. Desto schlimmer! Es soll ein sehr verdien-ter Mann seyn.
Der Wirth. Ich sage Ihnen ja, daß er abgedankt ist.
Das Fräulein. Der König kann nicht alle verdiente Män-ner kennen.
Der Wirth. O gewiß, er kennt sie, er kennt sie alle. —
Das Fräulein. So kann cr sie nicht alle belohnen.
Der Wirth. Sie wären alle belohnt, wenn sie darnach