Minna von Barnhclm.
Der Wirth. Suche» Zhro Gnaden etwas bey des KönigsMajestät?
Das Fraulein. O, nein!
Der Wirth. Oder bey unsern hohen Zustitzkollcgiis?Das Fräulein. Auch nicht.Der Wirrh. Oder —
Das Fräulein. Nein, nein. Ich bin lediglich in meineneigenen Angelegenheiten hier.
Der Wirth. Ganz wohl, gnädiges Fräulein; aber wienennen sich diese eigene Angelegenheiten?
Das Fräulein. Sie nennen sich — Franciska, ich glaube,wir werden vernommen.
Franciska. Herr Wirth, die Policcy wird doch nicht dieGeheimnisse eines Frauenzimmers zu wissen verlangen?
Der Wirth. Allerdings, mein schönes Kind: die Policcywill alles, alles wissen; und besonders Geheimnisse.
Franciska. Za nun, gnädiges Fräulein; was ist zu thun?— So hören Sie nur, Herr Wirth; — aber daß es ja unteruns und der Policcy bleibt! —
Das Fräulein, Was wird ihm die Närrinn sagen?
Franciska. Wir kommen, dem Könige einen Officicr wcg-zukapcrn —
Der Wirth. Wie? was? Mein Kind! mein Kind!
Franciska, Oder uns von dem Osficicrc kapern zu lassen.Beydes ist eins.
Das Fräulein. Franciska, bist du toll? — Herr Wirth,die Nascnwcisc hat Sie zum besten.
Der Wirth. Ich will nicht hoffen! Zwar mit meiner We-nigkeit kann sie scherzen so viel, wie sie will; nur mit einerhohen Police») —
Das Fräulein. Wissen Sie was, Herr Wirth? — Ichweiß mich in dieser Sache nicht zu nehmen. Zch dächte, Sieließen die ganze Schrcibcrcy bis auf die Ankunft meines Oheims.Zch habe Ihnen schon gestern gesagt, warum er nicht mit mirzugleich angekommen. ,(5r verunglückte, zwey Meilen von hier,mit seinem Wagen; und wollte durchaus nicht, daß mich dieserZufall eine Nacht mehr kosten sollte. Zch mußte also voran.
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