Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
530
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5.30

Minna von Barnhclm.

Das Fräulein. Non meinen Gütern ans Sachsen.

Der Mirrh. (schreibt) Gütern ans Sachsen " Ans Sach-sen! Ey, cy, aus Sachsen, gnädiges Fräulein? aus Sachsen?

Francisb'a. Nun? warum nicht? Es ist doch wohl hierzu Lande keine Sünde, aus Sachsen zu seyn?

Der Mirth. Eine Sünde? Behüte! das wäre ja eineganz ncnc Sünde! Ans Sachsen also? Ey, cy! ans Sach-sen! das liebe Sachsen! Aber wo mir recht ist, gnädigesFräulein, Sachsen ist nicht klein, und hat mehrere wie sollich es nennen? Districktc, Provinzen. Unsere Policcy istsehr crackt, gnädiges Fräulein.

Das Fräulein. Ich verstehe: von meinen Gütern aus Thü-ringen also.

Der Wirth. Ans Thüringen ? Za, das ist besser, gnädigesFränlcin, das ist genauer. (schreibt und liest)Das Fräuleinvon Barnhclm, kommend von ihren Gütern aus Thüringen ,nebst einer Kammcrfran nnd zwey Bedienten"

Franciska. Einer Kammcrfran? das soll ich wohl seyn?

Der Wirth. Za, mein schönes Kind.

Francisco. Nun, Herr Wirth, so setzen Sie anstatt Kam-mcrfran, Kammcrjungscr. Ich hörc, die Policcy ist sehr crackt;cs möchte ein Mißvcrständniß geben, welches mir bey meinemAnfgcbothc einmal Händel machen könnte. Dcnn ich bin wirk-lich noch Znngfcr, nnd hciße Franciska; mit dcm Gcschlcchtsna-mcn, Willig; Franciska Willig. Ich bin auch aus Thüringen .Mein Vater war Müller auf einem von den Gütern des gnä-digen Fräuleins. Es heißt Klein-Rammsdorf. Die Mühlehat itzt mein Bruder. Ich kam sehr jung auf dcn Hof, nndward mit dcm gnädigen Fräulein erzogen. Wir sind von ei-nem Alter; künftige Lichtmeß ein und zwanzig Zahr. Ich habealles gelernt, was das gnädige Fräulein gelernt hat. Es sollmir licb scyn, wenn mich dic Policcy rccht kennt.

Der Wirth. Gut, mein schönes Kind; das will ich mirans weitere Nachfrage merken. Aber nunmehr, gnädiges Fräu-lein, Dero Vcirichtungcn allhicr?

Das Fraulnn, Mcinc Verrichtungen?