Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
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538
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Minna von Barnhclm.

selbst hohlen. Nur, gnädiges Fräulein, bitte ich nntcrthä-nigst, sodann ja mich bey dem Herrn Major zu entschuldigen,daß ich so unglücklich gewesen, wider meinen Willen, einenMann von seinen Verdiensten

Das Fräulein. Gehen Sie nur geschwind, Herr Wirth.Das will ich alles wieder gut machen, (der Wirih geht ab, n»dhierauf) Franciska, lauf ihm nach: er soll ihm meinen Namennicht nennen! (Franciska, dem Wirthe nach)

Siebender Auftritt.Das Fräulein- und hierauf Franciska.

Das Fräulein. Zch habe ihn wieder! Bin ich allein-? Zch will nicht umsonst allein seyn, (sie faltet die Hände) Auchbin ich nicht allein! (nnd blickt aufwärts) Ein einziger dankbarerGedanke gen Himmel ist das vollkommenste Gebet! Zch habihn, ich hab ihn! (mit ausgebreitete» Armen) Zch bin glücklich! undfröhlich! Was kann der Schöpfer lieber sehen, als ein fröhli-ches Geschöpf! (Franciska kömmt) Bist du wieder da, Fran-ciska? Er jammert dich? Mich jammert er nicht. Unglückist auch gut. Vielleicht, daß ihm der Himmel alles nahm, umihm in mir alles wieder zu geben!

Franciska- Er kann den Augenblick hier seyn. Sie sindnoch in Ihrem Ncgligcc, gnädiges Fräulein. Wie, wenn Siesich geschwind ankleideten?

Das Fräulein, Geh! ich bitte dich. Er wird mich vonnun an öftrer so, als geputzt sehen.

Franciska. O, Sie kennen sich, mein Fräulein.

Das Fräulein, (nach einen, kurzen Nachdenken) Wahrhastig,Mädchen, du hast es wiederum getroffen.

Franciska, Wenn wir schön sind, sind wir ungcputzt amschönsten.

Das Fräulein. Müssen wir denn schön seyn ? Aber,daß wir uns schön glauben, war vielleicht nothwendig. Nein,wenn ich ihm, ihm nur schön bin! Franciska, wenn alleMädchens so sind, wie ich mich ictzt fühle, so sind wir son-derbare Dinger. Zärtlich und stolz, tugendhaft und eitel,wollüstig und fromm Du wirst mich nicht verstehen. Zch