Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
542
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5,42

Minna von Barnhclm»

ßigc Art, von scincr Tapferkeit und von seinem Unglücke zusprechen

v. Tellheim. Die im Grunde doch auch geprahlt und ge-klagt ist.

Das Fräulein. O, mein Rechthaber, so hatten Sie sichauch gar nicht unglücklich nennen sollen. Ganz geschwiegen,oder ganz mit der Sprache heraus. Eine Vernunft, eineNothwendigkeit, die Ihnen mich zu vergessen befiehlt? Ichbin eine große Liebhaberin von Vernunft, ich habe sehr vielEhrerbietung für die Nothwendigkeit. Aber lassen Sie dochhören, wie vernünftig diese Vernunft, wie nothwendig dieseNothwendigkeit ist.

v. Tellhcim. Wohl denn; so hören Sie, mein Fräulein.

Sie nennen mich Tcllhcim; der Name trift ein. AberSie meinen, ich sey der Tcllhcim, den Sie in Zhrcm Vater-land? gekannt haben; der blühende Mann, voller Ansprüche,voller Ruhmbegierde; der seines ganzen Körpers, scincr ganzenSeele mächtig war; vor dem die Schranken der Ehre und desGlücks cröfuct standen; der Ihres Herzens und Ihrer Hand,wann cr schon ihrcr noch nicht würdig war, täglich würdigerzu werden hoffen durste. Dieser Tcllhcim bin ich eben sowenig, als ich mein Vatcr bin. Beide sind gewesen.Ich bin Tcllhcim, dcr verabschiedete, der an seiner Ehre ge-kränkte, der Krüppel, dcr Vcttlcr. Icncm, mcin Fräulci»,versprachen Sie sich: wollen Sie diesem Wort halten?

Das Fräulein. Das klingt sehr tragisch! Doch, mcinHcrr, bis ich jcncn wicdcr findc, in dic Tcllhcims bin ichnun einmal vcrnarrct,- dieser wird mir schon aus dcr Nothhclfcn müssc». Dcinc Hand, lieber Bettler! <!ndcm sie ihn beyder Hand ergreift)

V. Tellhcim. (dcr dic andere Hand mit dem Hute vor das Gesichtschlägt, und sich von ihr abwendet) Das ist zu viel! Wo binich ? Lassen Sie mich, Fräulcin! Jhr^ Güte foltert mich;

Lassen Sic mich.

Das Fräulein. Was ist Ihnen? wo wollen Sic hin?v. Tellheim. Von Ihnen!