Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
541
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Minna von Barnhelm.

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Herr; lassen Sie sehen, wo wir sind, ehe wir uns weiter ver-irren! Wollen Sie mir die einzige Frage beantworten?

v. Tellheim. Jede, mein Fräulein

Das Fräulein. Wollen Sie mir auch ohne Wendung,ohne Winkclzug, antworten? Mit nichts, als einem trocknenZa, oder Nein?

v. kLellheim. Zch will es, wenn ich kann.

Das Fräulein. Sie können es. Gut: ohngcachtet derMuhe, die Sie angewendet, mich zu vergessen, lieben Siemich noch, Tcllhcim?

v. Tellheim. Mein Fräulein, diese Frage

Das Fräulein. Sie haben versprochen, mit nichts, als Zaoder Nein zu antworten.

v. ktellheim. Und hinzugesetzt: wenn ich kann.

Das Fräulein. Sie können; Sie müssen wissen, was inIhrem Herzen vorgeht. Lieben Sie mich noch, Tcllhcim?Ja, oder Nein.

v. Tellheim. Wenn mein Herz

Das Fräulein. Za, oder Nein!

v. Tellheim. Nun, Ja!

Das Fräulein. Ja?

v. Tellheim. Ja, ja! Allein

Das Fräulein. Geduld! Sie lieben mich noch: genugfür mich. In was für cincn Ton bin ich mit Ihnen gefal-len! Ein widriger, melancholischer, ansteckender Ton. Ichnchmc den mcinigcn wieder an. Nun, mein lieber Unglück-licher, Sie lieben mich noch, und haben Ihre Minna noch, undsind unglücklich? Hören Sie doch, was Ihre Minna für eineingebildetes, albernes Ding war, ist. Sie ließ, sie läßtsich träumen, Ihr ganzes Glück sey sie. Geschwind kramenSie Ihr Unglück aus. Sie mag versuchen, wie viel sie dessenaufwicgt. Nun?

v. Tellheim. Mein Fräulein, ich bin nicht gewohnt zuklagen.

Das Fräulein. Sehr wohl. Ich wüßte auch nicht, wasmir an einem Soldaten, nach dem Prahlen, weniger gefiele,als das Klagen. Aber es giebt eine gewisse kalte, nachlä-