Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
540
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5,40

Minna von Barnhelm.

pctit geschehen. Komme» Sie, das müsse» Sie mir alleinsagen, (führet ihn mit Gewalt ab)

Neunter Austritt,v. Tellheim. Das Fräulein.Das Fräulein. Nun? irren wir uns noch?v. Tellhcim. Daß es der Himmel wollte! Aber esgiebt nur Eine, und Sie sind es.

Das Fräulein. Welche Umstände! Was wir uns zu sagenhaben, kann jedermann hören.

v. Tellheim. Sie hier? Was suchen Sie hier, gnädigesFräulein?

Das Fräulein. Nichts suche ich mehr, (mit offenen Armen aufihn zugehend) Alles, was ich suchte, habe ich gesunden.

v. Tellheim. (zurückweichend) Sie suchten einen glücklichen,einen Ihrer Liebe würdigen Mann; und finden einenElenden.

Das Fräulein. So lieben Sie mich nicht mehr? Undlieben eine andere?

v. iLellheim. Ah! der hat Sie nie geliebt, mein Fräu-lein, der eine andere nach Ihnen lieben kann.

Das Fräulein. Sie reißen nur Einen Stachel aus meinerSeele. Wenn ich Ihr Herz verloren habe, was liegt daran,ob mich Gleichgültigkeit oder mächtigere Reiße darum gebracht?

Sie lieben mich nicht mehr: und lieben auch keine andere?

Unglücklicher Mann, wenn Sie gar nichts lieben!

v. Tellheim. Recht, gnädiges Fräulein; der Unglücklichemuß gar nichts lieben. Er verdient sein Unglück, wenn er die-sen Sieg nicht über sich selbst zu erhalten weiß; wenn er essich gefallen lassen kann, daß die, welche er liebt, an seinemUnglück Antheil nehmen dürfen. Wie schwer ist dieser Sieg!

Seit dem mir Vernunft und Nothwendigkeit befehlen, Minnavon Barnhelm zu vergessen: was für Mühe habe ich ange-wandt! Eben wollte ich anfangen zu hoffen, daß diese Mühenicht ewig vergebens seyn würde: und Sie erscheinen, meinFräulein!

Das Fräulein. Versteh ich Sie recht? Halten Sie, mein