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Minna von Varnhelm.
das gnädige Fräulein — Schwester. — Wars nicht so?Schwester.
Franciska- Geb Er her! (reißt ihm dm Brief ans der Hand)Inst. Sie soll so gut seyn, läßt mein Herr bitte», undcs übergeben. Hernach soll Sie so gut seyn, läßt mein Herrbitten — daß Sie nicht etwa denkt, ich bitte was! —Franciska. Nun denn?
Just. Mein Herr versteht den Rummel. Er weiß, daßder Weg zu den Fräuleins durch die Kammermädchens geht: —bild ich mir ein! — Die Zungfcr soll also so gut seyn, —läßt mein Herr bitten, — und ihm sagen lassen, ob er nichtdas Vergnügen haben könnte, die Zungfcr auf ein Vicrtclstünd-chcn zu sprechen.
Franciska. Mich?
Iust. Verzeih Sie mir, wenn ich Zhr einen unrechten Ti-tel gebe. — Za, Sie! — Nur auf ein Vicrtclstündchcn; aberallein, ganz allein, insgeheim, unter vier Augen. Er hätteZhr was sehr nothwendiges zu sagen.
Franciska. Gut! ich habe ihm auch viel zu sagen. — Erkann nur kommen, ich werde zu seinem Befehle seyn.
Inst. Aber, wenn kann er kommen? Wenn ist es Zhr amgelegensten, Zungfcr? So in der Dcmmcrung? —
Franciska. Wie mcint Er das? — Scin Hcrr kann kom-men, wenn er will; — und damit packe Er sich nur!
Just. Herzlich gern! (will fortgehe»)
Franciska. Hör Er doch; noch auf ein Wort. — Wosind denn die andern Bedienten des Majors?
I»st. Die andern? Dahin, dorthin, überallhin.
Franciska. Wo ist Willhclm?
Inst. Der Kammerdiener? den läßt der Major reisen.
Franciska- So? Und Philipp, wo ist der?
Just. Der Zager? den hat der Herr aufzuheben gegeben.
Franciska. Weil er ictzt keine Zagd hat, ohne Zweifel. —Aber Martin?
I»st. Der Kutscher? der ist wcggerittcn.
Franciska- Und Fritz?
Just. Der Läuffcr? der ist avancirt.