Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
545
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Minna von Barnhelm.

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Franciska. Wo war Er denn, als der Major bey uns inThüringen im Winterquartiere stand? Er war wohl noch nichtbey ihm?

Iust- O ja, ich war Reitknecht bey ihm; aber ich lag imLazarett).

Zranciska. Reitknecht? Und ictzt ist Er?

Iust. Alles in allem; Kammerdiener und Jäger, Läuffcrund Reitknecht.

Zranciska, Das muß ich gestehen! So viele gute, tüchtigeLeute von sich zu lassen, und gerade den allcrschlcchtcsten zu be-halten! Ich möchte doch wissen, was Sein Herr an Ihm fände!

Just. Vielleicht findet er, daß ich ein ehrlicher Kerl bin.

Zranciöd'a. O, man ist auch verzweifelt wenig, wenn manweiter nichts ist, als ehrlich. Willhclm war ein andrerMensch! Reisen läßt ihn der Herr?

Just. Za, er läßt ihn; da crs nicht hindern kann.

Franciska. Wie?

Iust. O, Willhclm wird sich alle Ehre auf seinen Reisenmachen. Er hat des Herrn ganze Garderobe mit.

Zranciska. Was? er ist doch nicht damit durchgegangen?

Iust. Das kann man nun eben nicht sagen; sondern, alswir von Nürnberg weggingen, ist er uns nur nicht damit nach-gekommen.

Franciska. O der Spitzbube!

Just. Es war ein ganzer Mensch! er konnte frisircn, undrasircii, und parlircn, und scharmircn Nicht wahr?

Franciska, So nach hätte ich den Zägcr nicht von mirgethan, wenn ich wie der Major gewesen wäre. Konnte erihn schon nicht als Jäger nützen, so war es doch sonst ein tüch-tiger Bursche. Wem hat er ihn denn aufzuheben gegeben?

Just. Dem Kommcndantcn von Spandan.

Lranciska. Der Vcstung? Die Zagd auf den Wällen kanndoch da auch nicht groß seyn.

Just- O, Philipp jagt auch da nicht.

Franciska. Was thut er denn?

Iust. Er karrt.

Franciska. Er karrt?

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