Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
553
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Minna von Barnhelm.

5S3

Sechster Austritt. 'Paul Werner.

Das ist kein unebnes Fraucnzimmcrchcn! Aber ich hätteihr doch nicht versprechen sollen, zu warten. Denn dasWichtigste wäre wohl, ich suchte den Major auf. Er willmein Geld nicht, und versetzt lieber? Daran kenn ich ihn. Es fällt mir ein Schneller ein. Als ich vor vierzehnTagen in der Stadt war, besuchte ich die Rittmeister»! Mar-loff. Das arme Weib lag krank, und jammerte, daß ihr Manndem Major vierhundert Thaler schuldig geblieben wäre, die sienicht wüßte, wie sie sie bezahlen sollte. Heute wollte ich siewieder besuchen; ich wollte ihr sagen, wenn ich das Geldfür mein Gütchen ausgezahlt kriegte, daß ich ihr fünfhundertThaler leihen könnte. Denn ich muß ja wohl was davonin Sicherheit bringen, wcnns in Pcrsicn nicht geht. Abersie war über alle Berge. Und ganz gewiß wird sie dem Ma-jor nicht haben bezahlen können. Ja, so will ichs machen;und das je eher, je lieber. Das Fraucnzimmcrchcn magmirs nicht übel nehmen; ich kann nicht warten, (geht in Gedanke»ab, und stoßt fast auf dm Major, der ihm entgegen kömmt)

Siebender Auftritt,von Tellheim. Paul Werner.

v. Tellheim. So in Gedanken, Werner?

Werner. Da sind Sie ja; ich wollte eben gehn, und Siein Ihrem neuen Quartiere besuchen, Herr Major.

v. Tellheim. Um mir auf den Wirth des alten die Ohrenvoll zu fluchen. Gedenke mir nicht dran.

Werner. Das hätte ich beyher gethan; ja. Aber eigent-lich wollte ich mich nur bey Ihnen bedanken, daß Sie so gutgewesen, und mir die hundert Louisdor aufgehoben. Just hatmir sie wiedergegeben. Es wäre mir wohl freylich lieb, wennSie mir sie noch länger aufheben könnten. Aber Sie sind inein neu Quartier gezogen, das weder Sie, noch ich kennen.Wer weiß, wies da ist. Sie könnten Ihnen da gestohlen wer-den; und Sie müßten mir sie ersetzen; da hülffc nichts davor.Also kann ichs Ihnen freylich nicht zumuthcn.