Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
552
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56?

Minna von Barnhelm.

Francisco. Wahrhastig? Aber warum versetzt dem, derMajor? Er hat ja einen Ring versetzt

Werner. Versetzt! Glaub Sie doch so was nicht. Viel-leicht, daß er den Bettel hat gern wollen los seyn.

Francisco. Es ist keilt Bettel! es ist ein sehr kostbarerRing, den er wohl noch dazu von lieben Händen hat.

Werner. Das wirds auch seyn. Von lieben Händen! ja,ja! So was erinnert Einen manchmal, woran man nicht gernerinnert seyn will. Drum schafft mans aus den Augen.

Franciska. Wie?

Werner. Dem Soldaten gchts in Winterquartieren wun-derlich. Da hat er nichts zu thun, und pflegt sich, und machtvor langer Weile Bekanntschaften, die cr nur auf den Wintermeinet, und die das gute Herz, mit dem cr sie macht, für ZeitLebens annimmt. Husch ist ihm denn ein Ringelchcn an denFinger prakticirt; cr weiß selbst nicht, wie es dran kömmt. Undnicht selten gäb cr gcrn dcn Fingcr mit drum, wcnn cr cs nurwicdcr los werden könnte.

Franciska. Ey! und sollte cs dem Major auch so gegan-gen seyn?

Werner. Ganz gewiß. Besonders in Sachsen, wcnn crzchn Fingcr an jeder Hand gehabt hätte, cr hätte sie alle zwan-zig vollcr Ringe gekriegt.

Franciska. (bey Seite) Das klingt ja ganz besonders, undverdient untersucht zu wcrdcn. Herr Frcyschulzc, oderHerr Wachtmeister

Werner. Fraucnzimmerchcn, wcnns Zhr nichts verschlägt:Hcrr Wachtmeister, höre ich am liebsten.

Franciska. Nun, Hcrr Wachtmeister, hier habe ich ein Bricf-chcn von dcm Herrn Major an meine Herrschaft. Ich will csnur geschwind herein tragen, und bin gleich wicdcr da. WillEr wohl so gut scyn, und so lange hier warten ? Ich möchtegar zu gcrn mehr mit Ihm plaudern.

Werner. Plaudert Sie gcrn, Fraucnzimmcrchcn? Nunmcinctwcgcn; gch Sie nur; ich plaudre auch gcrn; ich will warten.

Franciska. O, warte Er doch ja! (geht ab.)