Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
555
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Minna von Bariihelm.

v. T^ellheim. Daß sie mir nichts mehr schuldig ist?Werner. Wahrhastig?

v. Tellheim. Daß sie mich bey Heller und Pfennig be-zahlt hat: was wirst du dann sagen?

Werner, (der sich einen Augenblick besinnt) Ich werde sagen,daß ich gelogen habe, und daß es eine hundsföttsche Sacheums Lügen ist, weil man drüber ertappt werden kann.

v. Eellheim. Und wirst dich schämen?

Werner. Aber der, der mich so zu lügen zwingt, wassollte der? Sollte der sich nicht auch schämen? Sehen Sie, HerrMajor; wenn ich sagte, daß mich Ihr Verfahren nicht ver-drösse, so hätte ich wieder gelogen, und ich will nicht mehrlügen.

v. Tellheim. Sey nicht verdrüßlich, Werner! Ich erkennedein Herz und deine Liebe zu mir. Aber ich brauche deinGeld nicht.

Werner. Sie brauchen es nicht? Und vcrkauffen lieber,und versetzen lieber, und bringen sich lieber in der Leute Mäuler?

v. Tellheim. Die Leute mögen es immer wissen, daß ichnichts mehr habe. Man muß nicht reicher scheinen wollen, alsman ist.

Werner. Aber warum ärmer? Wir haben, so langeunser Freund hat.

v. Tcllheim. Es ziemt sich nicht, daß ich dein Schuld-ner bin.

Werner. Ziemt sich nicht? Wenn an einem heißenTage, den uns die Sonne und der Feind heiß machte, sich IhrReitknecht mit den Kantinen verloren hatte; und Sie zu mirkamen, und sagten: Werner hast du nichts zu trinken? und ichIhnen meine Feldflasche reichte, nicht wahr, Sie nahmen undtranken? Ziemte sich das? Bey meiner armen Seele,wenn ein Trunk faules Wasser damals nicht oft mehr werthwar, als alle der Quark! (indem er auch den Beutel mit den Louis-doren heraus zieht, und ihm beydes hinreicht) Nehmen Sie, lieberMajor! Bilden Sie sich ein, es ist Wasser. Auch das hatGott für alle geschaffen.