Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
556
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Minna von Barnhcli».

v. iLellheim^ Du marterst mich; du hörst es ja, ich willdein Schuldner nicht seyn.

Werner. Erst zicmtc es sich nicht; nun wollen Sie nicht?Za, das ist was anders, (etwas ärgerlich) Sie wollen meinSchuldner nicht seyn? Wenn Sie es denn aber schon wären,Herr Major? Oder sind Sie dem Manne nichts schuldig, dereinmal den Hieb auffing, der Ihnen den Kopf spalten sollte,und ein andermal den Arm vom Rumpfe hieb, der eben los-drücke» und Ihnen die Kugel durch die Brust jagen wollte?Was können Sie diesem Manne mehr schuldig werden? Oderhat es mit meinem Halse weniger zu sagen, als mit meinemBeutel? Wenn das vornehm gedacht ist, bey meiner armenSeele, so ist es auch sehr abgeschmackt gedacht!

v. Aellheim, Mit wem sprichst du so, Werner? Wir sindallein; jetzt darf ich es sagen; wenn uns ein Dritter hörte, sowäre es Windbeutelei). Ich bekenne es mit Vergnügen, daßich dir zwcymal mein Leben zu danken habe. Aber, Freund,woran fehlte mir es, daß ich bey Gelegenheit nicht eben so vielfür dich würde gethan haben? He!

Werner. Nur an der Gelegenheit! Wer hat daran gezwei-felt, Herr Major? Habe ich Sie nicht hundertmal für den ge-meinsten Soldaten, wenn er ins Gcdrcngc gekommen war, IhrLeben wagen sehen?

v. Tellheim. Also!

Werner. Aber

v. iLellhcim. Warum verstehst du mich nicht recht? Ichsage: es ziemt sich nicht, daß ich dein Schuldner bin; ich willdein Schuldner nicht seyn. Nehmlich in den Umständen nicht,in welchen ich mich jetzt befinde.

Vverner. So, so! Sie wollen es vcrsparcn, bis auf bcßrcZeiten; Sie wollen ein andermal Geld von mir borgen, wennSie keines brauchen, wenn Sie selbst welches haben, und ichvielleicht keines.

v. Tellheim. Man muß nicht borgen, wenn man nichtwieder zu geben weiß.

Werner. Einem Mann, wie Sie, kann es nicht im-mer fehlen.