Minna von Banihclm.
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v. Tellheim. Du kennst dic Wclt! — Am wenigsten mnßMan sodann von Einem borgen, der sein Geld selbst braucht.
Werner. O ja, so Einer bin ich! Wozu braucht ichs denn?— Wo man einen Wachtmeister nöthig hat, giebt man ihmauch zu leben.
v. Tellheim. Du brauchst es, mehr als Wachtmeister zuwerden; dich auf einer Bahn weiter zu bringen, auf der, ohneGeld, auch der Würdigste zurück bleiben kann.
Werner. Mehr als Wachtmeister zu werden? daran denkeich nicht. Zch bin ein guter Wachtmeister; und dürfte leichtein schlechter Rittmeister, und sicherlich noch ein schlechter Ge-neral werden. Dic Erfahrung hat man.
v- Tellheim. Mache nicht, daß ich etwas Unrechtes vondir denken muß, Werner! Zch habe es nicht gern gehört, wasmir Zust gesagt hat. Du hast dein Gut verkauft, und willstwieder herum schwärmen. Laß mich nicht von dir glauben, daßdu nicht so wohl das Mcticr, als dic wilde, lüdcrlichc Lebens-art liebest, die unglücklicher Weise damit verbunden ist. Manmuß Soldat seyn, für sein Land; oder aus Liebe zu der Sache,für die gcsochtcn wird. Ohnc Absicht hcutc hicr, morgen dadienen: heißt wie ein Flcischcrknccht rciscn, wcitcr nichts.
Werner. Nun ja doch, Herr Major; ich will Zhncn fol-gen. Sie wissen besser, was sich gehört. Ich will bey Ihnenbleiben. — Aber, lieber Major, nehmen Sie doch auch dcr-wcilc mein Geld. Heut oder morgen muß Zhrc Sache ausscyn. Sie müsscn Gcld die Menge bekommen. Sie sollen mires sodann mit Interessen wieder geben. Zch thu es ja nurder Interessen wegen.
v. Tellheim. Schweig davon!
Werner. Bey meiner armen Seele, ich thu es nur derInteressen wegen! — Wenn ich manchmal dachte: wie wird esmit dir aufs Alter werden? wenn du zu Schanden gehauen bist?wenn du nichts haben wirst? wenn du wirst betteln gehen müs-sen? So dachte ich wieder: Nein, du wirst nicht bcttcln gehn;du wirst zum Major Tellheim geh»; der wird seinen letztenPfennig mit dir theilen; der wird dich zu Tode füttern; «beydem wirst du als ein ehrlicher Kerl sterben können.