Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
558
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Minna von Barnbelm.

V. Tellheim. (indem er Werners Hand ergreift) Und, Kammc-rad, das denkst du nicht noch?

Werner. Nein, das denk ich nicht mehr. Wer vonmir nichts annehmen will, wenn ers bedarf, lind ichs habe;der will mir auch nichts geben, wenn ers hat, und ichs bedarf. Schon gut! (will gehen)

v- Tellheim- Mensch, mache mich nicht rasend! Wo willstdu hin? (hält ihn zurück) Wenn ich dich nun auf meine Ehre ver-sichere, daß ich noch Geld habe; wenn ich dir auf meine Ehreverspreche, daß ich dir es sagen will, wenn ich keines mehrhabe; daß du der erste und einzige seyn sollst, bey dem ich miretwas borgen will: bist du dann zufrieden?

Werner. Muß ich nicht? Geben Sie mir die Handdarauf, Herr Major.

v. Tellheim, Da, Paul! Und nun genug davon. Zchkam hiehcr, um ein gewisses Mädchen zu sprechen

Achter Auftritt.

Franciska. (aus dem Zimmer des Fräuleins) v> Tellhcim.Paul Werner.

Franciska. (Im Heraustreten) Sind Sie noch da, HerrWachtmeister? (indem sie den Tellheim gewahr wird) Und Siesind auch da, Herr Major? Den Augenblick bin ich zu Ih-ren Diensten, (geht geschwind wieder in das Zimmer)

Neunter Auftritt,v- Tellheim. Paul Werner,v. Tellheirm Das war sie! Aber ich höre ja, du kennstsie, Werner?

Werner. Za, ich kenne das Frauenzimmerchcn.

v. iLellheim. Gleichwohl, wenn ich mich recht erinnere,

als ich in Thüringen Winterquartier hatte, warst du nicht

bey mir?

Werner. Nein, da besorgte ich in Leipzig Mundmmgsstücke.v. tellheim. Woher kennst du sie denn also?Werner. Unsere Bekanntschaft ist noch blutjung. Sie istvon heute. Aber junge Bekanntschaft ist warm.