Miß Sara Sampson.
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itzt nicht anders als durch List wieder bekommen können; erhatte ans mehr als ein Zahr vorausbezahlt, und noch den Tagvor seiner Flucht ausdrücklich befohlen, eine gewisse Marwood,die vielleicht kommen und sich für die Mutter des Kindes aus-geben würde, durchaus nicht vorzulassen. Aus diesem Befehleerkenne ich den Unterschied, den er zwischen uns beyden macht.Arabcllcn sieht er als einen kostbaren Theil seiner selbst an,und mich als eine Elende, die ihn mit allen ihren Reizen, biszum Ucbcrdrussc, gcsättigct hat.-Htmnah. Welcher Undank!
N?arwood. Ach Hannah, nichts zieht den Undank so un-ausbleiblich nach sich, als Gefälligkeiten, für die kein Dank zugroß wäre. Warum habe ich sie ihm erzeigt, diese unseligenGefälligkeiten? Hätte ich es nicht voraus sehen sollen, ds,^jAcihren Werth nicht immer bey ihm behalten könnten? daß ihrWerth auf der Schwierigkeit des Genusses beruhe, und daß ermit derjenigen Anmuth verschwinden müsse, welche die Hand derZeit immcrklich, aber gewiß, aus unsern Gesichtern verlöscht?
-Hannah. O, Madam, von dieser gefährlichen Hand ha-ben Sie noch lange nichts zu befürchten. Ich finde, daß ZhrcSchönheit den Punkt ihrer prächtigsten Blüthe so wenig über-schritten hat, daß sie vielmehr erst darauf losgcht, und Ihnenalle Tage neue Herzen fesseln würde, wenn Sie ihr nur Voll-macht dazu geben wollten.
Marwood. Schweig, Hannah! Du schmeichelst mir beyeiner Gelegenheit, die mir alle Schmeichelet) verdächtig macht.Es ist Unsinn von neuen Eroberungen zu sprechen, wenn mannicht einmal Kräfte genug hat, sich im Besitze der schon ge-machten zu erhalten.
Zweyter Auftritt.Ein Bedienter. Marwood. Hannah.Der Bediente- Madam, man will die Ehre haben, mitIhnen zu sprechen.XNarrvood. Wer?
Der Bediente- Ich vermuthe, daß es eben der Herr ist,
Lessmgs Werke II, 2