Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
49
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Miß Sara Sampson.

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XNarroood. Wenn Sie erlauben, Miß (Mellefontführt sie ab.)

Sara, (allein) Die arme Lady! Sie scheinet die freund-schaftlichste Person zwar nicht zu seyn; aber mürrisch und stolzscheinet sie doch auch nicht. Ich bin wieder allein. Kannich die wenigen Augenblicke, die ich es vielleicht seyn werde, zuetwas besscrm als zur Vollendung meiner Antwort anwenden?(sie will sich niedersetzen zu schreiben.)

Sechster Austritt.

Betty. Sara.

Zöetty. Das war ja wohl ein sehr kurzer Besuch.

Sara. Za, Bctty. Es ist Lady Solmcs; eine Anver-wandte meines Mellefont. Es wandelte ihr gähling eine kleineSchwachheit an. Wo ist sie jetzt?

Detty. Mellefont hat sie bis an die Thüre begleitet.

Sara. So ist sie ja wohl wieder fort?

Dett/. Ich vermuthe es. Aber je mehr ich Sie ansehe,Miß Sie müssen mir meine Freyheit verzeihen je mehrfinde ich Sie verändert. Es ist etwas ruhiges, etwas zusricd-ncs in Ihren Blicken. Lady muß ein sehr angenehmer Besuch,oder der alte Mann ein sehr angenehmer Bote gewesen seyn.

Sara. Das letzte, Bctty, das letzte. Er kam von mei-nem Vater. Was für einen zärtlichen Brief will ich dich lesenlassen! Dein gutes Herz hat so oft mit mir geweint, nun solles sich auch mit mir freuen. Ich werde wieder glücklich seyn,und dich für deine guten Dienste belohnen können.

Betty. Was habe ich Ihnen in kurzen neun Wochen fürDienste leisten können?

Sara. Du hättest mir ihrer in meinem ganzen andernLeben nicht mehrere leisten können, als in diesen neun Wochen. Sie sind vorüber! Komm nur itzt, Bctty; weil Melle-font vielleicht wicdcr allein ist, so muß ich ihn noch sprechen.Ich bekomme eben den Einfall, daß es sehr gut seyn würde,wenn er zugleich mit mir an meinen Vater schriebe, dem seineDanksagung schwerlich unerwartet sein dürfte. Komm!

(Sie zehrn ab.)eessings Werke il. 4